Archiv der Kategorie: leichen aus dem keller

(schlechte) fragmente

[kein titel] – „einleitung“

die wut verschwand irgendwann. ich kann mir bis heute nicht erklären, warum – plötzlich war einfach keine wut mehr da und ich war, wie ich immer dann sah, wenn ich es schaffte, meinen eigenen körper zu verlassen, nur ein farbloses abbild meiner selbst, als hätte da jemand am farbsättingungsregler gedreht. kleiner war ich auch geworden, unauffälliger, kaum noch fassbar, ein diffuser rest. jedenfalls erschien es mir so. andere sahen das anders, ein guter freund fragte, ob ich nun kreide fräße, oder irgendein medikament nehmen würde, ich hätte mich verändert. neutral, nicht positiv oder negativ, wurde mir versichert, während ich mich fragte, ob dieses furchtbare gefühl, weniger energie zu haben, vielleicht doch irgendwann wieder vorbeigehen würde – immer öfter ertappte ich mich dabei, wie ich stundenlang einfach nichts tat. ich saß dann auf meinem stuhl oder lag auf meinem bild und schaute nach löchern in der luft, ohne dabei fündig zu werden. ein gefühl des misserfolges, oder gar eine wut darüber, die mich belebt hätte, trat nicht ein. die lethargie schien triumphiert zu haben.

so vergingen wochen und monate, in denen ich mehr und mehr feststellte, dass mich meine eigenen gedanken selbst nicht mehr interessierten, mein eigenes schicksal mir so egal war wie irgendein beliebiges in den fernsehsendungen, mit denen ich nun ein zuvor unvorstellbares zeitkontingent verbrachte, im sessel hängend und nicht wirklich aufmerksam dem gebotenen, höchstwahrscheinlich ohnehin vernachlässigbarem inhalt, folgend.

alles schwand, alles schwindet. der text, den ich gestern angefangen habe, gefällt mir nach null uhr plötzlich gar nicht mehr, erscheint nutzlos, sinnentleert und überflüssig, pathetisch, gekünstelt und übereifrig. manchmal kann man dann doch noch weiterschreiben, manchmal nicht. das hier sind solche fragmente, bei denen ich die hoffnung aufgegeben habe – auch wenn das nicht bedeutet, dass ich mich ihnen nie mehr annehme.
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vorbei

und wenn der rote, rote mond
der weit oben über den bäumen thront
und wenn die blaue, blaue sonne
derer ist alle wonne

vergehend in das gelbe wasser
für immer gestürzet sind
und wenn der regen, immer nasser
fortgeweht vom tosend‘ wind

tot ist alter und tot ist kind
tot ist vogel, tot ist rind
leblos auch der wurm dabei
alles ist vorbei

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geschrei

laut, durch wände
schlagend auch die hände
schmerz an leib und ohren
alles ist vergohren

der finstern reiter macht
unerbittlich über alle wacht
wer nicht gibt, der wird gegangen
so mancher hat hier schon gehangen

es zerrt am hals
es fetzt, das schmalz
tritt heraus, stinkend
sterbend, letztmals winkend

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verkehrte welt

die sonne weht
der wind fällt
der regen scheint

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lied des sterbenden

ich will den schlaf der schlaflosen nicht stören
drum gleitet mein schiff leis´ davon
das schiff, es ist eine fähre
der fährmann heißt charon
das gewässer nennt man styx
wir gleiten davon…

von dort wo ich hinfahr
noch niemand ist wiedergekehrt
drum sag ich euch lebewohl
bis dann wann ihr folgen mögt

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weltende

maschinen ratternd
flugblätter flatternd
autos knatternd

drähte verwirrend
gläser zerklirrend
menschen irrend

leute rennend
häuser brennend
welten sich trennend

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sturm

grau liegt die see
finstere wolken verdecken die sonne
dunkelheit
lautes tosen

salzige nässe
klirrende kälte
rauhe see
angst

starkes geschaukel
keine sicht
schäumende gischt
tod.