p and his cities

p. (was kurz für polonius steht) geht durch die toten straßen der isarmetropole. hin und wieder hält er inne, herrschaftliche architektur betrachtend, die von einer (glücklicherweise längst vergangenen) kulturellen blüte berichten.

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wenn man schweigt und den allgegenwärtigen geräuschpegel dieser eigentlich leisen großstadt verdrängt, kann man die geschichten hören, die all diese steinernen zeitzeugen zu erzählen haben. es sind geschichten von fackelmärschen, vom klirren von schaufensterscheiben, von der beladung von viehwagen mit menschen, von einer frenetischem liebe zum abgrundtief bösen. aber was man nicht sieht, interessiert nicht in dieser stadt; man sieht hier keinen wohnungsmangel, vielleicht einen büroüberschuss, man sieht stuck und ornamentik, aber nicht das, was geschah und geschieht in dieser hölle der gemütlichkeit.

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im HB grunzen täglich die holz- und blechbläser, während die auf holz sitzenden menschen zu ihren allzu schweren humpigen biergläsern blech reden. ein prosit der gemütlichkeit, so they sing. warm und grau sind die gesichter, und es geschah nicht von ungefähr, dass ein gewisser brüderle ausgerechnet vom ausfüllen von dirndln sprach; ein schöner schein, endlos strahlend, auf das niemand die hässlichen fratzen sehe, die sich nur so selten zeigen, seitdem die gotik überwunden ist, die ein paar dieser als anschauungsobjekte an nôtre dame de paris hinterlassen hat.

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immerhin, es naht hoffnung. beim strauchelnden traditionshaus s. aus b. (ehemals f/m) erscheint diesen herbst ein werk, welches den herbst des planeten als eine realität beschreibt, die in stein gemeißelt ist, wie die inschriften im alten rom, die auch nach tausendjährigem verfall immer noch ihre botschaften zur entzifferung dahingeben. nein, there is no effing hope. even the rich are doomed. less than the rest of „us“, though.

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polonius denkt: es braucht auch keine hoffnung. ein zyniker wie ich hat diese noch nie benötigt; ein sarkastiker kann sich auch an den gruseligsten der sog. nachrichten erfreuen und belustigen. und dann gilt, weiterhin, dass er immer auf den füßen landen wird. das wahre glück sei ihm vergönnt, aber er soll sich stets so fühlen können, dass sich kein ernstzunehmender grund bietet, die eigene sinnlose existenz auch nur einen tag vor ihrem natürlichen ende aufzugeben.

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und h., die irgendwann mal glanzvolle stadt am elbestrand, wohin es ihn irgendwie zieht? „ist mindestens genauso verlogen und korrupt. es wäre ja auch furchtbar, wenn irgendwo alles in ordnung wäre. worüber könnte man dann noch klagen?“, denkt p., grinst und verlässt langsam schreitend die bretter, die gewiss nicht die welt bedeuten.

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