ungenaues „ja, genau“

„Ja, dann können sich Einzelkaufleute auch kein weiteres Fremdkapital beschaffen… Ja, genau.“

in meinen händen verbiegt sich der kugelschreiber. welch glück, dass dieser aus einer metallfeder besteht, sonst würde ich diesen süßen vortrag stören, dessen fehler anscheinend niemand hört. ich beobachte die vortragende, zugleich den lehrer, und sehe kein minenspiel bei letzterem, welches einen fehlererkennungsmechanismus verrät. mein eigenes gesicht – da derzeit nicht eingefroren – muss kurzfristig den ausdruck größten zweifels aufgewiesen haben, ein zucken, einen anfall oder etwas derartiges, vermutlich ein ähnlicher ausdruck, wie der, der sich zeigt, bevor ich mich übergebe.

*

es ist scheinbar abend, tatsächlich tobt lediglich ein düsterer dezembernachmittag. die stimmung ist nicht mehr düster, selbst meine nicht, was wundervolle umstände andeutet, tatsächlich aber nur bedeutet, dass der glühwein mit schuss wirkt. die brunette haarspraylockenfrau, deren lachen ihre dummheit stets verrät, trinkt nur kinderpunsch. „Das ist Kinderpunsch, hihi. Ich schaff’s nicht, hihi. Wer will?“ ertönt ihre glockenhelle stimme.

ich sage: „dann wirkt’s ja schon!“, grinse schief und blicke um mich herum in verständnislose augen. stille. damit habe ich nicht gerechnet – ich füge an, fast stotternd: „also, kinderpunsch – und kinder schaffen doch oft nicht das, was sie sich nahrungsmittelmäßig vornehmen!?“. es ist wohl nichts demütigender, als herausgeplatzte, miese anspielungen erklären zu müssen. vereinzelt klickt es. 2/10. „Häh?“, schallt es glockenhell mit einem leicht beleidigten, schon fast aggressiven gesichtsausdruck. ich setze nochmals an, aber zum glück erbarmt sich jemand meiner und erläutert, anfügend, dass ich einen komplizierten, aber guten humor habe. ich lächele dankbar, gezwungen – ich rechnete in diesem moment nicht damit, dies von dieser person zu hören, was einzig an meiner an blindheit grenzenden überheblichkeit gegenüber h2o2-menschen liegt. es braucht noch eine weitere erläuterung, bis es auch beim kinderpunsch klickt.

*

gelegentlich, nein, wann immer sich mir eine möglichkeit bietet, setze ich die kopfhörer auf. ich will nichts hören. es ist nicht überheblichkeit, es ist kaum desinteresse. es ist angst, dass dieser dysgrammatismus ansteckend sein könnte. „das haus wo den kind kacken gehen tut.“ ich gestehe, dass ist überspitzt, aber es ist oft nicht viel besser. eine ansammlung von sprachfehlern prägt den unterricht. nicht nur bei den schülern, nein, auch die lehrer wirken teilweise mit mehr als nur tippfehlerbehafteten arbeitsblättern mit.

„wenn ihr dann wo bei einem betrieb arbeitet, dann…“

ich bin nur froh, dass ich keine besondere germanistische vorbildung habe: sonst liefe ich gefahr, durchzudrehen, tourettig herumzuschreien, oder einfach nur wahrlich kalkweiß zu werden und das bewusstsein zu verlieren.

*

das größte unglück dieser tage ist aber ein anderes: die zeit rast, vom aufwachen bis 8:30, um dann stillzustehen, bis nach ewigkeiten 16:15 ist. gut erholt beschleunigt sich die zeit dann, so dass ich, wenn ich mit dem gefühl, dass 22:00 uhr sei ins bett gehen will, oft schon 2:30 ist, was mir sorgenfalten ins gesicht zaubert, da die ewige angst „zu verschlafen“ wieder geweckt ist.

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