im garten

„was denkst du, wer entflieht der realität?“, fragte die krähe, mit ihrer roh krächzenden, aber vertrauten stimme, nach dem sie so weit wie möglich von mir entfernt gelandet war und dann auf mich zustolziert war, „warum versuchst du zu entfliehen?“. wir kannten uns seit jahren und sprachen selten über etwas anderes als das wetter oder die sinnlosigkeit des seins, aber jetzt hatte zum ersten mal die krähe das wort an mich gerichtet, an einem sonnigen apriltag, in dem die krähe in ihrem schwarzen gewand ein wenig fehl am platz wirkte, selbst ich trug nur ein schwarzes t-shirt, sonst hellere „farben“. zögernd, mit einer meine ganze unsicherheit und schwäche verratenden stimme, fast stammelnd erwiderte ich: „ich denke, es sind jene, die unzufrieden sind, vielleicht zusätzlich versuchen, gewisse aspekte ihrer existenz zu verdrängen, die, die nicht glauben, dass veränderung zum positiven wirklich möglich ist.“ die krähe, die mir genau zugehört hatte, schlug mit ihren flügeln und wackelte mit ihrem kopf: „das ist doch kinderkacke, was du da erzählst, ein regenwurm hätte mir dieselbe, sich windende antwort gegeben. ich will dir sagen, wer aus der realität zu erfliehen sucht; es ist derjenige, dem es nicht schlecht geht, der aber in gewisser weise nicht lebensfähig ist und von daher mit seiner existenz nicht zufrieden sein kann, da er die anderen menschen nicht intuitiv versteht – er entflieht, weil er eine pause braucht, aus dem stressigen, aufreibenden alltag, der von unverständnis und unverstandensein, von schlechtem timing und noch schlechteren pointen geprägt ist. der, der entflieht, flieht davor, dass er noch nicht mal sich selbst versteht.“
„das mag sein“, versuchte ich zu entgegnen, „aber ich…“ „nein, der den ich beschrieben habe, bist du, der in welten fliehst, in denen du mit tieren reden kannst. denk mal drüber nach.“ „aber..“ – da flog sie schon, mit schweren flügelschlägen, scheinbar der sonne entgegen, aber wohl doch nur in den nächsten garten, zum nächsten gespräch.

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