[ohne titel]

seit frühester kindheit besteht mein leben daraus, menschen zu beobachten. das ist so weit ganz normal, nehme ich an, auch wenn ich das natürlich nicht abschließend beurteilen kann, denn über das beobachten rede ich nur höchst selten mit anderen menschen. gespräche über das beobachten und das was man daraus zieht kann ich nur in meiner phantasie führen, jedenfalls wenn es offensichtlich um das „beobachten“ als solches gehen soll. natürlich unterhält man sich über die resultate von beobachtungen, man gibt einschätzungen von sich, die gelegentlich wertschätzungen darstellen.

wenn ich beobachte, dann ist das kein langer prozess. ich bin kein stalker, auch wenn ich gewiss einer werden könnte, gäbe ich mich dem beobachten vollends hin. da es mir aber in jeder hinsicht an hingabe fehlt, ist mein beobachten, wenn es denn intensiv sein soll, nur kurz. sekunden. minuten. stunden? niemals.
das beobachtete, wenn ich es festhalte, weil ich glaube, es mir nicht merken zu können, halte ich auf eine weise fest, in der es mir nichts bringt. diesen satz ins smartphone. jenen absatz in den computer. den anderen ins grüne notizbuch, oder eben ins schwarze – chaos, genauso wie bei meinen gedanken, aber alles in ein notizbuch packen, damit könnte ich nicht umgehen. außerdem: chaos bedeutet ursprünglich in etwa „gähnende leere“.

es gibt aber auch beobachtetes, dass muss ich nirgends notieren, da muss ich nicht hektisch einen stift finden oder irgendein anderes schreibwerkzeug. ich bin versucht zu schreiben, dass sich das einbrennt, aber nein, eingebranntes sieht man auch, wenn man es gar nicht will, und so schlimm ist es selten. das kommt auch vor, aber das meine ich gerade nicht, ich will jetzt nicht von diesen blöden, peinlichen situationen anfangen, deren abbilder mich immer wieder verfolgen. es ist wie ein video, dass man sich, wenn man will, immer wieder ansehen kann. über jahre, die exakt selbe situation, etwas konzentrieren und da ist sie, der furchtbare moment aus der kindergartenzeit. hätte ich ahnung von den funktionsweisen des gehirns, könnte ich jetzt mit mauern aus fachbegriffen mein unverständnis und unwissen verbergen, aber ich kann es nicht und muss mir irgendetwas zusammenphantasieren, wenn ich das eben geschriebene nicht so im raum stehen lassen will.

und das will ich nicht, denn meine persönliche erklärung für diese gedächtnisfunktion ist in drei worte zu fassen, von denen eines überflüssig ist: bewunderung und ekel.

sehe ich etwas, das, wenn auch nur vielleicht in dieser einen situation durch die ausgemachte ästhetik herausragt, so brennt sich dieser moment in mein gedächtnis ein. sehe ich etwas grandios gegensätzliches, erlebe ich einen moment unglaublicher hässlichkeit, geschieht letztlich das gleiche, ich kann jederzeit wieder darauf zurückgreifen – idealbilder und deren antagonismen.

wenn ich aber schreibe, so beziehe ich mich, sobald ich irgendetwas abgrenze, je nach situation, auf das ideal oder den jeweiligen antagonismus, unbewusst oft, aber letztlich doch. ich will jetzt aus respekt vor der macht des hässlichen nur ein beispiel anführen, welches eher vom ideal geprägt ist, ich kann aber nicht wirklich beschreiben, was ich sagen will, denn das ist es eben, es ist nicht in worten gespeichert, sondern als bild, welches, mit der zeit verwischend und damit von jedem makel befreit sich nicht gut in worte fassen lässt, da was bleibt eine ansammlungen von formen und farbtönen ist, die durch die zerlegung des gesamteindrucks in worte und sätze leiden muss wie eine blüte, der man langsam, stück für stück ein blütenblatt nach dem anderem nimmt.

das einzige, was ich vielleicht beschreiben kann, ist das entstehen eines solchen bildes: es ist der der moment, in dem man gegen respektable gegner zu null beim kickern gewinnt und den sieg mit einem spontanem luftsprung feiert; der moment, an dem ein sonnenstrahl in die felsscharte einfällt und den tosenden wasserfall verregenbogt und einen dabei erwärmt; der moment, in dem die schönste und bestangezogenste frau der welt zu ihrem schönsten lächeln ansetzt.

mehr muss und kann man dann für den tag nicht beobachten, alle aufmerksamkeit muss dahin gehen, das gerade erlebte glück nicht vom alltag mit grauer farbe übertünchen zu lassen. denn wenn man diese momente vergisst, was bleibt dann vom leben?

[vor über einem jahr unter dem titel „bewunderungen“ begonnen, jetzt irgendwie zu ende gebracht – mehr schlecht als recht, wenn ihr mich fragt.]

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s