existenz 3

ich sitze an meinem tisch, der gerade mal wieder etwas größer ist. eben habe ich einen ganzen stapel zettel in den altpapiereimer verabschiedet, auf denen ich versucht habe irgendeine perspektive zu entwickeln. zettel, deren rückseiten mit skizzen verunstaltet sind, die ich gestern machte, aber von denen mir selbst keine gefiel. irgendjemand hätte bestimmt gesagt: „hey, das ist ja echt prima, find ich gut“, aber ich weiß ja, dass ich da nur gedächtnisrecycling betrieben habe, schlechte kopien gemacht habe, bestenfalls mash-ups.

„was willst du tun?“ ist die frage, die seit gestern an der wand prangt und ich habe keine antwort. ich weiß, dass mir schreiben und skizzieren (und das umgiessen der skizzen in eine digitale form, falls sie was taugen) spaß machen, aber ich weiß auch, dass ich oft nicht weiterkomme und fast nie zufrieden bin, und wenn doch, dann nicht lang. ich mache mich selbst fertig, da bin ich gut drin, aber andererseits kann ich nur so besser werden, wenn ich wie ein besessener alles mistige verwerfe.

auch wenn ich nicht alles verwerfe. heute in der mensa, nach dem mich die „Gemüselasagne auf Broccoli- Rahmsoße“ einigermaßen gesättigt hatte, habe ich einfach angefangen zu schreiben, was mir auf dem weg dahin einfiel, als ich mir vorstellte, ich müsste ein bühnenprogramm machen, weil ich ja so unglaublich lustig bin. in diesem bühnenprogramm, clownesk wie meine person, kam auch die verarschung einer lesung vor, in der ein nobelpreisträger namens rudolf rasen eine wirklich mieses, geradezu schneidereske kriminalgeschichte vorliest, nachdem er die lobhudelnde ansagerin erstmal mürrisch angemotzt hat: „fragestunde fällt aus, mein nobelpreis beantwortet alle fragen in meinem sinne“.

jetzt habe ich hier also eineinhalb seiten in kleiner hand, netterweise mitten in der handlung angefangen und ich bin erstaunt, dass bei aller angestrengten absurdität die figuren trotzdem noch ein wenig glaubwürdig sind: der kommissar, der sich erstmal vor der tatortbesichtigung eine stange zigaretten, fleckentferner und einen neuen trenchcoat kauft, da er sich mit ketchup an der imbissbude eingesaut hat und wert auf sein äußeres legt und nach der besichtigung der grausam zugerichteten frauenleiche herausrennt um sich in den garten zu übergeben, wo er sich dann bald darauf wünscht, dass er doch noch saufen würde; der etwas dusselige assistent müller, der ein tollpatsch ist, aber dann (so jedenfalls vorgesehen) den richtigen riecher hat, wenn auch aus dem falschen grund – sie alle sind mir irgendwie schon ans herz gewachsen, so dass es sein kann, dass ich diese geschichte tatsächlich abrunden kann, so sehr, dass ich mich traue, sie an irgendeinen groschenromanverlag zu senden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s