existenz 2

[nicht glücklich mit diesen zeilen, aber kann nicht weiter daran arbeiten, blockiert. weiter unten findet sich die erste variante, die ich verwarf, um am 24.03 den mist zu verzapfen, der jetzt beginnt:]

es gibt diese tage, an denen du keinen papagei auf deiner schulter hast, der immer wieder krächzt „alles wird gut“. tage, an denen dir die suppe aus den augen läuft, ohne erkennbaren grund, aber auch nicht einfach so.
tage, an denen dir danach ist, ein requiem auf deine verschissene existenz zu schreiben, einen einzigen pompösen abgesang, ein in worte gegossenes feuerwerk, welches alles verbrennt, das war und dir so eine wiedergeburt beschert, ein neues leben, ein leben ohne geschichte.

und dann bemerkst du wieder, in einem anflug (un)gesunden realismus, dass du keine wahl hast, da du nicht vor dir selbst fliehen kannst und vor all den untaten deiner unspektakulären vergangenheit – du kannst zwar wohin gehen, wo dich niemand kennt und neue lieder singen, neue geschichten erzählen, es wird dir sogar gelingen, dass du die neuen wahrheiten manchmal selbst glaubst, aber manchmal wirst du aufwachen und feststellen, dass es nicht geht, dass du zwar „tschüss“ sagen kannst, aber deswegen noch lange nicht auf immer und ewig weg bist – und sei es, dass du nur im traum in vergangenheitswelten zurück fällst und fällst – wenn du es schaffst aufzuwachen, kann es sein, dass du dir denkst: warum kann ich keinen normalen albtraum träumen? warum muss ich einen gelebten albtraum träumen?

nein, es gibt keinen ausweg, es sei denn du hast eine möglichkeit, amnesie herbeizuführen und das funktioniert dann auch noch dauerhaft. so ist das leben. du kannst nichts ungeschehen machen, du kriegst die ausgetretene strahlung nicht mehr ins kkw zurück und die zahnpasta nicht mehr in die tube, das weißt du ganz genau, aus wiederholter, bitterer erfahrung.

bekannt ist dir auch, dass du unbedingt weiter am tage träumen musst, denn wenn du in der nacht träumst, ist es entweder wahrer horror oder so, dass du erwachst und enttäuscht realisieren musst, dass die realität nicht so ist wie der traum, in dem alles schöner und farbenfroher war.

[1, 10.03.; verworfen, nicht zu „existenz“ passend]

ich habe mich entschlossen, der zivilisation trotz der offenkundigen sinnlosigkeit doch noch nicht „good bye“ zu sagen, ich habe noch so viele seiten in diesem in ledergebundenen notizbüchlein, und mein kugelschreiber hat die salzwasserbehandling irgendwie doch überlebt (anders als meine ganze elektronik), also will ich schreiben, auch wenn es komisch ist, dieses ohne ein datum zu tun – und ohne uhrzeit, auch wenn es etwa 14 uhr sein muss, denn die sonne steht erkennbar nicht mehr im zenit. wo ich bin, weiß ich auch nicht genau. es ist eine insel vulkanischen ursprungs, das verrät der kegel und das verraten die heißen quellen, deren wasser den typischen schwefligen geschmack haben. tropisch ist das klima, aber ich habe keine ahnung, was für eine insel das sein könnte – es ist sicher keine jener inseln, über die ich mich dereinst mal belaß (ile amsterdam / ile st. paul), denn diese liegen in einer anderen klimazone – der gemäßigten. auch wüsste ich nicht, was ich im indischen ozean verloren gehabt hätte, dieser tage, auf einem schiff, denn wie wäre ich sonst in einem recht großen rettungsboot in meinen mantel gehüllt, das herausgerissene innenfutter mein gesicht bedeckend schwer geschwächt erwacht – dieses ereignis muss in etwa eine woche in der vergangenheit liegen, ich bin mir nicht sicher – ich brauchte etwas, um wieder zu mir zu kommen.

ich weiß, wer ich bin. aber ich weiß nicht, wo ich hier bin, warum ich hier bin und verstehe auch nicht, warum ich hier allein bin. in dem einzigen eintrag, der sich vor dem letzten in diesem buch befindet, heißt es „11.06.2011 ~18:17 das wetter soll umschlagen – ich glaube es erst, wenn ich es sehe. fahrt läuft fast zu gut – und das war der erste eintrag in meinem neuen notizbuch.

was auch immer geschehen ist, ein paar neue narben an meinem körper und in meinem gesicht, wie ich sah, als ich mich über ruhiges wasser beugte, dass ich in eine kokosnusshälfte gefüllt hatte.

ich vermute schreckliches. in so einem großen rettungsboot legt man nicht allein ab. ich zermartere mir den kopf, ob ich mir den kopf zermartern darüber zermartern sollte, was passiert sein mag. vielleicht ist es besser nicht zu wissen, woher die frischen narben kommen. die vermutungen sind furchtbar genug. was ich aber wirklich bereue ist, dass ich das

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