szene

die sieben gesichter des morgengrauens starren mich an. mir bleibt nichts anderes, als wegzugehen, ich weiß es genau. meine hiesige existenz ist weder schön, noch findet sie irgendeinen beifall, es sei denn man hält schilder hoch, auf denen „applaus“ steht. das licht der bühne des lebens wird blenden, bis ich schließlich erblinde: ich bin nicht beeindruckt.

der gestrige abend hat einen eindruck hinterlassen, der mich schwermütig zurückblicken lässt, es ist doch zu schön, sich mit intelligenten lebensformen zu unterhalten. aber jetzt ist der morgen da nach und wie las ich nicht kürzlich auf twitter: „allem anfang wohnt ein kater inne.“ und das ist wahr und gut und schön, auch für mich, den begossensten pudel.

ich blicke mich um, sehe leere, rote plüschsessel und erkenne, dass meine gedanken zu kryptisch geworden sind, als dass ich sie noch verstehen könnte – ich habe meine grenze endlich erreicht, stehe am abgrund (vor dem orchestergraben) und durch meinen kopf blitzt es: „es ist gut, dass ich keinen spiegel habe, ich könnte meiner neuen, unrasierten maske sonst hoffnungslos verfallen“.

die gesprächsfetzen des gestrigen abends bilden ein weißes rauschen in meinem kaputten kopf, es sind theorien über eine stiftlose kinderzukunft, in der alles so digital ist, wie das lächeln der stars in der „bunte“, die ich immer beim arzt lese, da sie so angenehm hirnerweichend und damit auf mysteriöse weise angsthemmend wirkt. aber ich soll wohl besser meine rolle des mäßig sympathischen tölpels spielen und meine ungeraden sätze vor mich hinstümpern, jedenfalls ist das die botschaft, die ich in den toten augen des regisseurs lesen kann. denn dies ist kein grausamer bürgerkrieg mit kindersoldaten auf der so berühmten mischung aus koks und schießpulver, es kostet ein unvermögen auf diesen opernbrettern zu stehen: in der realität spielt geld leider eine rolle, ja, die realität kann man nur gegen geld ausblenden und auch das macht kopf und magen nicht wohler.

ich bin glücklich, als ich meinen ersten satz in der geforderten fasson herausgekotzt habe, es ist nicht alles hamletmaschine, es ist eher seifenoper, mein satz lautet: „ich vermisse rosalie so sehr.“ und da dieser satz nicht trauriger ist, als die realität meiner existenz, die besagt, dass man stets durch die summe seiner (un)taten das ist, was man ist, muss ich die gezeigte emotion trotz meines augenblicklichen glücksgefühls aufgrund einer einigermaßen annehmbaren interpretation nicht wirklich spielen, es reicht, ich selbst zu sein.

was ich aber mehr vermisse als gute gespräche ist die nähe, die noch besser ist, als in roten plüschsesseln zu sitzen oder besser sich in diese flegelhaft hereinzufläzen. und das ist genau das, was ich fühlen muss, jetzt in diesem moment, ich krümme mich und spiele „zusammenbruch, komma, unhysterisch.“ endlich naht die rettung, ihr name beginnt mit v, ich nenne sie zärtlichst, mit tränenerstickter, leiser, sanftester stimme „vorhang“, als sie sanft meinen kopf streift: ich bin zu weit vorne zusammengebrochen.

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