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gestern wolltest du noch schreiben (oder wenigstens schreien) „i am a dead man walking“. die fakten haben sich nicht geändert, kein deut, aber du hast es mal wieder geschafft, über nacht ein mächtiges reality distortion field hochzufahren. wenn du jetzt das kaffeejoghurt aus sterzing äßest, welches du vorgestern zu dir nahmst, wärst du sofort in den geröllhalden der hochgebirge norditaliens, du gingst von hütte zu hütte, die füße in den getreuen wanderschuhen und wärst glücklich. und wenn der song von f.b. liefe, wärst du im jazzclub in good old paris, aber diesmal mit einem guten scotch und vielleicht sogar mit ginger.

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es ist müßig zu beschreiben was wäre, sagt man, denn schließlich geht es doch zunächst mal darum zu begreifen, was ist. aber dann stellst du fest, dass es besser ist zu verdrängen. dead man walking zu sein mag witzig klingen, aber wenn du totmüde und leer dich nicht mehr über die tore freuen kannst, die du über zwei banden gekonnt einschießt, wenn du da emotionsarm herumstehst wie ein koffeinfreier kaffee und feststellst, dass die frau mit der du dich heute am ehesten gern unterhalten hättest, ohne eine dieser umarmungen, zu denen du kaum noch fähig bist, verschwunden ist und du denkst „ist auch egal, das“. du versuchst dich auf die unter dem meer party zu konzentrieren, während du feststellen musst, das du deine gesichtszüge nicht entgleisen lassen solltest, da du beobachtet wirst, aus einem unmöglichen winkel und unglaublich ununaufällig. die entscheidung, die du am nächsten tag fällen musst, das weißt du, ist die zwischen gefährlicher unterwasser/meeresbodengekrebse-party und dem zug nach kompassspielverücktfalen. es ist an sich eine leichte entscheidung, du willst die leute, die nicht weit weg wohnen mal wieder sehen, denn du bist ihnen länger nicht begegnet als deinen ancestors.

immerhin: es bleibt dir erspart festzustellen, dass dein obsessives verwenden englischer begriffe, wo immer du denkst, dass es chic sei, auch wenn du die deutschen äquivalente durchaus auch kennst, etwas vom hause swann hat.

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als du am nächstem morgen noch kurz so tust, als könntest du in deinem eigenem bett noch ein wenig ruhe finden, dir dabei nach langer zeit mal wieder das lied mit dem wort freaks anhörst, weißt du, das du, auch wenn du es wirklich wolltest, nichts von dem zurücknehmen kannst, was du in den letzten stunden gesagt oder getan hast; stattdessen musst du dich fragen, ob du lieben und leben willst, nur sinnlos schmerzen erzeugen oder gar nichts. was davon am besten ist, weißt du nicht, kannst es nicht wissen, wirst du sicher nie wissen, da du nicht alle alternativen gleichzeitig ausprobieren kannst. aber du kannst immerhin eine freie entscheidung treffen und der nervöse husten der vergangenen tage ist weg – als hättest du ihn niemals erlebt oder durchlitten. und dringlichkeit, das ist klar, besteht auch nicht. die fragen werden sich selbst beantworten, wenn du sie nur lässt.

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und insgeheim weißt du doch, dass du dich eines tages über alles erheben und in die runde der anderen unsichtbaren fragen wirst: did i ever exist?

der wind wird dir antworten mit einem sanften pfeifen durch den türspalt. from behind that door you´ll hear the footsteps of a dead man walking in vicious circles.

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