schmerzpolitik

ich weiß nicht, in was für maßstäben man schmerz messen könnte. ich weiß nicht, ob es auch da bereits eine skala gibt, die dann eine berechtigung zur verwendung bestimmter betäubungsmittel berechtigt, oder ob solche fragen immer noch im einzelfall geklärt werden. wenn man eine skala machen würde, gäbe es da eine große frage, die zu klären wäre: wie rechnet man seelischen schmerz in körperlichen um?

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a. spricht ein deutsch, für welches sie sich fortwährend entschuldigt, zu unrecht. es ist wahrlich nicht herausragend, die grammatik ist fehlerhaft, aber sie kann sich unmissverständlich ausdrücken. natürlich hat grammatik trotzdem eine restrelevanz, aber bei gesprochenen worten in umgebungen mit lauter musik ist grammatik höchst unwichtig. jedenfalls: bei einer diagnose mit meiner schmerzskala würde a. einen recht hohen wert erreichen, nicht den höchsten, aber doch den zweithöchsten. ein kind zu verlieren, ein ungeplantes zwar, aber dann doch gewolltes, jedenfalls von ihr, das muss sehr hart sein. es wäre vermessen, zu versuchen, diesen schmerz irgendwie einzuordnen, es ist wohl ein schmerz, den man als mann gar nicht bewerten kann.

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während ich noch abwehre und sage, dass mir ihre ausführungen nicht den abend verderben, was sie nicht können, weil der abend ohnehin verdorben ist und dabei versuche meine empathie nicht zu verleugnen, ein semantisches problem das alles, muss ich darüber nachdenken, oberflächlich wie oft, ob ich nicht doch etwas mehr schmerz zulassen sollte in meinem leben. ein lächerlicher gedankengang, in meinen augen stehen tränen, bereit zu los zu kullern, aber es geschieht nicht, es geschieht nichts.

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es gibt andere abende, an denen die hassgeliebte oberflächlichkeit klar dominiert, sozusagen ausschließlich ist. ich rede nicht gern über das, was mich bewegt, wenn ich stattdessen zuhören kann, phrasen dreschen kann, dumme witze machen darf oder man mich einen teil meiner allgemeinbildung ausführen lässt, dann ist mir das sehr recht. schlimmer als das persönliche sind nur noch diskussionen über politik, bei denen ich nie weiß, was mich am meisten deprimieren soll: der status quo, die plattitudenhaftigkeit meiner gesprächspartnerinnen, die unfähigkeit mich exakt auszudrücken oder der mangel an klaren, einfachen, verständlichen positionen meinerseits. der zynismus fordert dann auch immer, dass ich am nächsten tage kopfschmerzen habe.

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a. hat auch politische positionen, denen ich so ungefähr zustimmen kann, auch wenn ich ihren optimismus bezüglich der vitalität der europäischen demokratien nicht teile, genausowenig wie die hoffnung, das man die europäische union zu mehr als einer wirtschaftsveranstaltung machen könnte. sicherlich, wenn man sich auf eine bürgerfahrt begibt, kann es sein, dass „europa“ zu leben beginnt – aber das ist das europa der menschen, welches nicht das europa der nationen ist, ganz zu schweigen vom europa der institutionen.

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zeus begegnete europa als stier und der stier ist meine „astrogical hell“. finito.

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