zweihundert und fünfundzwanzig

ich setze mich mal wieder hin vor den computer, starte das webseitenanzeigeprogramm meines vertrauens und melde mich an. bevor ich zum eingabefeld eilen kann, bemerke ich eine zahl, welche man in buchstaben auf deutsch als einhundertneunundneunzig kennt.

das ist ja allerhand, denke ich, als nächstes folgt dann wohl die zweihundert, der nächste artikel, wie es die wortpresse nennt, ist der zweihundertste. an sich ist das keine besondere zahl, denke ich, sie sticht lediglich durch ihre zwei nullen hervor. zweihundert artikel ist auch nicht so viel, wenn man den zeitraum bedenkt: knapp 3 1/2 jahre, exakt 1232 tage bis jetzt und ungefähr 2000 besucher mehr in dieser zeit, wenn die statistik nicht lügt. 200 mal der gedanke: wie nah gehe ich an die realität an?

und das stimmt nicht, denn es sind auch „gedichte“ dabei, bei denen ich nicht so viel über die realität und ihre maskierung nachdenken musste. es ist auch egal. 100 ist ein hohes alter, 200 jahre alt wird kein mensch, 300 ist ein film, den ich bis heute nicht gesehen habe. einordnung ende.

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in den letzten tagen habe ich etwas viel joy division gehört. ich mag die dunkelheit der klänge, die ich nicht nicht beschreiben kann, weil ich gar keine ahnung von musiktheorie hätte, sondern weil ich mich weigere eine empfindung durch eingehende analyse zu zerstören. ich fürchte mich davor, irrtümer festzustellen, will nicht gefühl durch objektive fakten ersetzen. nicht generell, nur bezogen auf musik.
aber: ich liebe es mich zu verhören. als ich dereinst das erste mal „she lost control again“ hörte, war ich so betankt, dass ich zunächst verstand „she drank cointreau again“. jedes mal wenn ich daran denke, wie gerade jetzt, da das lied mal wieder anläuft – oh, gnädiges shuffle! – lächele ich in mich hinein.

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25. fünfundzwanzig. die hälfte von fünfzig, obwohl fünfzig als wort nur die hälfte buchstaben hat. fünfundzwanzig jahre sind ein vierteljahrhundert. an einem tag mit 25 stunden. 25*25 = 625.

tatsächlich 25. hätte man mich vor jahren gefragt, ob ich so alt werden würde, ich hätte geantwortet: ich bin mir nicht sicher. vielleicht habe ich das auch mal geantwortet, aber ich glaube nicht, das vernünftige menschen derartige fragen stellen. und leider kenne ich vor allem vernünftige menschen, die mich kritisieren, wenn meine texte hier erkennbar an meine persönliche realität heranrücken. ich sage dann schnell zu, fiktionaler zu werden, aber weiß gleichzeitig, dass ich, wenn ich dabei allzu frei vorgehe, zu sehr meinen inneren wünschen folge, wieder zurück gepfiffen werde, wie der wachhund, der in erfüllung seiner eigentlichen aufgabe vergisst, dass er den postboten anders behandeln soll als den einbrecher.

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ich bin ein texthund, man kommentiert mir gegenüber in persönlichen gesprächen meine texte, in denen ich versuche auszudrücken, dass ich katzen lieber mag als die anderen hunde, und zwar nicht, weil sie so gut schmecken. regelmäßig pfeift man mich zurück, eigentlich will man nicht, dass ich ein texthund bin, man wäre glücklicher mit einem bernhardiner oder einem schäferhund, ich soll vernünftig sein und das tun, was man von einem hund erwartet, ich soll nicht nur bellen, ich soll auch beißen. aber nicht die hand, die mich füttert, sonst wird man mich darben lassen, mehr als nur ein bisschen, mich in einen dunklen keller sperren, eine reizarme umgebung und ich weiß schon, as an der tür zum keller steht, es ist nur ein wort, es lautet „alternativlos“. ich wittere den sinn dieser maßnahme: man will mir zeigen, dass ich, wenn ich die hand beiße, die mich fütter eigentlich mich selbst beiße.

aber ich bin ein komischer hund, manche sagen ein kranker hund, was daran liegt, dass ich als ich ein kleiner hund war, gelegentlich an meinem rechten hinterbein gekaut habe, weswegen das fell desselbigen nicht besonders gut aussieht. das hat mich lange zu weiterem selbsthass bewogen, insbesondere, nachdem man mir erzählt hatte, dass ich damals tatsächlich einen maulkorb weggekämpft habe, um weiter an meinem bein zu kauen. das ist ein bild, welches vielleicht typisch für mein ganzes weiteres hundeleben ist: ich selbst bin mein ärgster feind. das macht mich stark, jedenfalls dann, wenn ich mal wieder vergessen habe, dass ich dereinst mehrfach versucht habe, mich mit meiner leine zu strangulieren.

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„all you need is love!“ singen die beatles in meine ohren und ich schaue mich im wagen um. auf der anderen seite des ganges schläft eine frau mit offenem mund. da braucht es liebe zu, damit man das toll findet, liebe ist mangelware, überhaupt, es braucht auch geld in diesem faschissenem system, sonst kann man noch nicht mal geordnet ableben.
aber das habe ich nicht vor. ein vierzigsteljahrtausend habe ich schließlich schon geschafft.

happy birthday to me.

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