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„Die Zwei (2) ist die natürliche Zahl zwischen Eins und Drei. Sie ist gerade und eine Primzahl.“

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die tage fließen ineinander, es ist jeden morgen schwierig, aufzustehen, egal, wie lange ich nun geschlafen habe, der schlaf steckt mir in den gliedern und macht sie unbeweglich, so dass das aufstehen, wenn es denn dann gelingt, mir jedesmal wie ein wunder erscheint.
es hat sich gezeigt, das klassische musik nicht als wecker taugt, jedenfalls nicht das, was sie auf ndr kultur spielen, man mag mich einen banausen schimpfen, aber von bach ward mir schon immer schläfrig, und einzelne sätze aus beethovens symphonien sind auch reizlos, so wie eine lose seite, die sich aus einem großen literarischen werk in einer langen kette kleiner bewegungen irgendwie gelöst hat, mitunter bestenfalls verwirrend ist. aber vielleicht geht das nur mir so: wenn ich ein zitat sehe, will ich immer am liebsten gleich den kontext herstellen, da ich es sonst nicht richtig bewerten kann. und ich will sachen ‚richtig‘ machen.
womit wir zurück beim großen übel sind, denn gewissermaßen studiere ich ja bewertungswissenschaften, wenn auch wohl den mathematischen teil derselben, auch wenn mich der andere teil wohl mehr fasziniert. immer wenn ich etwas nicht gleich verstehe, denke ich: verdammt, hättest du mal philosophie und theaterwissenschaften studiert, oder so etwas, da hättest du zwar vermutlich noch weniger verstanden, aber du währest, da dich die form der kost an sich mehr begeistert, vielleicht nicht so nah an der dauernd aufsteigenden resignation. es ist nicht schön etwas nicht zu verstehen, man fühlt sich so entsetzlich dumm und nein, es ist mir kein besonderer trost, wenn andere etwas genauso nicht gleich durchschauen, das liegt an meinem präkopernikanischen welt- und selbstbild, welches mich jeden abend, wenn ich es mal wieder ehrlich mit mir meine, zu vernichtenden selbstkritiken führt. ja, ich muss es ablegen, dieses weltbild, aber es ist eingefahren so wie die spurrillen der lkws in die schlechtgepflegten deutschen autobahnen, entkommen ist nicht leicht; „aquaplaning“, schreit der fahrlehrer, „hör‘ auf zu lenken, es bringt nichts.“ und zum langsamer werden fehlt die zeit, denn eigentlich, so scheint es jedenfalls, muss ich schneller werden.
ich muss das mal detailliert analysieren, genauso wie ich herausarbeiten muss, ob ich wirklich nichts von bewertung verstehe. könnte ja auch so eine abnorme fatamorgana sein. man sieht wüste, wo wasser ist, ihr wisst schon.

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es ist kein langer abend, aber ein anstrengender. nach einem weiterem tag, den ich im wesentlichen über kopien gebeugt verbracht habe, bin ich in absoluter plauderlaune. ich bringe einen schlechten witz nach dem nächsten, manche sind sogar so schlecht, dass man darüber lachen kann. als ich dann gehen will, müde und geradezu abgekämpft von der ständigen pointensuche, entschließen sich e., t. und a unbedingt mitkommen zu wollen, auch mein vehementer protest kann sie nicht von diesem vorhaben abbringen. hoffmann aber bleibt.
ich verhalte mich dann so unkooperativ wie möglich, denn wirklich, ich habe kein interesse an einer zimmerparty. mein computer spielt erst verrückt, dann verrückte musik, ich wähle nur sachen aus die nicht zueinander passen, aber so wirklich ändert das nichts. irgendwann haben diese menschen dann erbarmen mit mir und lassen mich endlich meinen wohlverdienten schlaf finden.
a. meint noch: „wann sieht man dich endlich im fernsehen?“ und ich denke nur: wenn mir das spaß machte, finge ich morgen mit einer show auf youtube an, um mir peu à peu eine karriere in diesem bereich aufzubauen, ich arbeitete akribisch bis zum letzten, wäre perfektionistisch, aber so, das auch noch was dabei entsteht – aber so ist es nicht, das ist alles nur ein vehikel, um nicht das aussprechen zu müssen, was mich wahrlich bewegt, mir alpträume beschert, so . etwa das mir der perfektionismus in den letzten jahren sehr fremd geworden ist.

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nach dem ich diverse radiosender ausprobiert habe, ist es nun das deutschlandradio geworden, ndr kultur taugte zwar zum einschlafen, aber nicht um geweckt zu werden. nachrichten, während man noch schläft, nachts, wenn ich es nicht schaffe, durchzuschlafen, gibt es das nachtkonzert. damit kann ich wohl leben, denke ich.

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vor ein paar tagen, als ich auf dem fahrrad saß, auf dem weg in mein bescheidenes zimmer, fiel mir mal wieder auf, durch eine zufällig vorbeilaufende person getriggert, das ich nicht gut darin bin, personen zu beschreiben. es liegt nicht daran, dass ich mir die optischen eindrücke nicht merken kann, nein, mein gedächtnis hat sich wieder gebessert, selbst jetzt ist das bild jener person, von der ich nichts weiß und die ich nicht mal eine sekunde lang sah, noch recht klar und nicht allzu verschwommen, aber es fehlt mir ganz einfach an vokabular. ich habe keine ahnung von mode, ich kenne nicht die namen von all den kleidungsstücken, schnitten, mustern und farbtönen. ähnlich ergeht es mir bei gesichtern und frisuren, es ist einfach alles zu ungenau, was mir in den sinn kommt, bei jedem bild, das ich mit buchstaben malen kann, bleibt allzu viel raum für interpretationen, klarheit fehlt. apropos: genaues malen oder zeichnen zählt auch nicht zu meinen begabungen.

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vielleicht lag es an dem zeitungsausriss über einen besuch anselm grüns an meiner ehemaligen schule, den mein vater mir zugesandt hat: ich habe begonnen, die aufzeichnungen mit dem titel „mein wirkliches leben“ fortzusetzen, mir vorgenommen, mindestens einmal die woche daran zu arbeiten, denn täglich will und kann ich mich dieser sache nicht widmen, es setzt mir zu sehr zu. aber ich muss es tun, denn sonst falle ich zurück in die alten muster. ich bin immer noch sehr gut im nichtstun, keine frage, it kills me. überhaupt muss ich schreiben, auch wenn ich vor einiger zeit im freizeitumfeld damit aufgehört habe, das schreiben als mein hobby zu nennen. ich will frei schreiben, über was auch immer – ich brauche da keine fragen à la kann ich mal was lesen oder was schreibst du denn. da habe ich lieber keine hobbies, auch wenn das zugegebenermaßen doof wirkt.

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musik kann ich auch nicht mehr als hobby nennen, der microkorg ist nicht erst seit gestern verkauft. und viel habe ich damit auch nicht gemacht. ich höre ja noch nicht mal mehr besonders viel musik, auf zugfahrten blättere ich manchmal in musikmagazinen, aber das auch nur, weil die politischen so deprimierend sind und die technischen so langweilig, da nur selten etwas neues darin steht. das gleiche gilt für filme, zwar lese ich oft und gerne, was denn nun neu kommt, manchmal sehe ich mir darüber hinaus noch den sogenannten trailer an, aber ins kino gehe ich kaum noch. das ist mir aufgefallen, als ich mich mit n. kürzlich über filme unterhalten habe. auch wenn ich ja die arrogante haltung vertrete, dass das meiste, was erscheint, ohnehin schrott ist, sollte ich mal wieder ins kino gehen. alle 14 tage oder so, mit wechselnden begleitungen. das könnte mein leben durchaus bereichern, insbesondere dann, wenn der film ohnehin mist ist. und spannender als eine party mensch ärgere dich nicht sind die meisten filme dann doch.

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„doch“, sagt s., „du bist nicht so unempathisch, wie du tust.“ ich denke nur: „unempathisch klingt verflucht komisch!“ und dann: „verdammt, man wird nicht nur stets wiedererkannt, man wird auch noch durchschaut.“ ja, vermutlich stimmt es, denn es belastet mich, wenn sich leute streiten, trennen oder etwas derartiges. immerhin ist es mit meiner empathie nicht so schlimm wie bei raumschiff enterprise, wo es empathische echos gibt. gäbe es diese echos auch in meinem kopf, ich würde fliehen, auch wenn es dafür facial plastic surgery oder ein raumschiff bräuchte.

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