mag sein

„was wäre denn der ideale job für dich?“
„zolleinehmer, so wie in eichendorffs taugenichts. oder leuchtturmwärter, wie der lustige mathias in robbie tobbie und das fliewatüüt, wer das geschrieben hat, dieses wunderbare kinderbuch, habe ich leider vergessen, it´s a shame. bei jobs in der wirtschaft oder verwaltung muss ich stets an die grauen männer aus michael endes „momo“ denken, auch wenn man heute ja nicht mehr so viel raucht. vielleicht ist die moderne zigarette, die am leben hält, ein mobiltelefon, ich weiß es nicht. tocotronic, eine deutsche band, I worshipped them for some time, hat mitte der neunziger jahre des vergangenen jahrhunderts einen song geschrieben und veröffentlicht, von dem sie sich recht schnell wieder distanziert haben: der titel ist lang, wie bei fast allen tocotronic-songs dieser zeit, und er lautet: „michael ende, du hast mein leben zerstört“. mögen manche zeilen falsch oder einfach zu provokativ sein, etwa „mit den eltern aller schichten willst du uns vernichten“, so muss ich doch sagen, dass mich „momo“ sehr geprägt hat in gewisser hinsicht. es ist erstaunlich, ich erinnere mich recht gut an momo, wie auch an „jim&lukas“, aber die „unendliche geschichte“ – da erinnere ich mich nur an irgendwelche irrlichter und daran, dass ich den titel damals blöd fand. wie auch immer, ich weiß, ich muss mich von dieser vorstellung lösen, endlich lösen, genauso wie ich aufhören muss, ein vorkopernikanisches weltbild zu pflegen, aber, leicht ist es nicht, wenn man jahrgelang gehegte vorurteile loszuwerden hat. es ist wie mit dem giersch, einem hartnäckigem, sogenannten unkraut, lässt man zu, dass er sich im eigenen garten festsetzt – und das tut er geschickt und unmerklich, wird man ihn kaum noch los. vergisst man kaum mehr als ein halbes blatt, wuchert er weiter und ist bald wieder bei alter stärke“.
„du mit deinen beispielen, deinen sophistereien. du hörst dir gern beim sprechen zu, nicht wahr? so andächtig wie du dir selbst zuhörst und dadurch immer langsamer wirst…“
„ja, es ist wohl so. selbstverliebtheit, aber auch selbsthass, wann immer ich mir selbst im weg stehe“
„oft.“
„ja.“

„und was willst du denn machen, wo es doch deine wunschjobs nicht mehr gibt, da sie wegrationalisiert und wegautomatisiert wurden?“
„das ist die frage, die ich nicht beantworten kann. ich habe keine sehnsucht nach einem geistig anstrengenden job, auch wenn ich doch die welt verändern will, wozu überlegung doch unerlässlich ist, genauso wie, machen wir uns nichts vor, geld.“
„du machst dir schon was vor, du willst faulenzen und nennst es müßiggang.“
„mag sein. ich selbst weiß es nicht, nicht mehr.“

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