zwischenspieler

(textfetzenverwurstungstext, entschuldigung)

die hitze des tages verfliegt noch, es kühlt schon ab, zeit ist alles was die warme luft braucht um zu entweichen, noch bleibt es in den räumen stickig, besonders dort, wo man schlecht lüften kann, da die luft nicht frei zirkulieren kann, man hat menschen hereingestellt und hingesetzt, zwischenlagerung.
der kickerball springt wie verrückt über das feld, man möchte fragen, was der ball verbrochen hat, dass man ihn so böse traktiert, ihm keine ruhe lässt. hin und wieder nimmt ein spieler (der scharfrichter?) den ball aus dem feld und reisst ein stück plastik ab, damit der längst geschundene ball etwas berechenbarer rollt und frank denkt, wenn man nicht so hämmern würde, dann trüge der ball auch nicht solche wunden davon, ein absurder gedanke, denn er hämmert selbst so sehr er kann, hinter den ball, mit voller absicht, oder aus versehen auch darauf.

es ist ein tag, an dem die menschen viel gemeinsam haben, man spürt es, sobald man witterung aufnimmt. alle die spielen oder tanzen oder auch nur an der bar lehnen und verzweifelt bis krampfend versuchen, den anschein zu erwecken, dass sie sich angeregt unterhielten, schwitzen, ob sie wollen oder nicht, ob sie den neuesten antitranspiranten aus der fernsehwerbung verwenden oder nicht. supersprays haben maximale temperaturen, ähnlich den klimaanlagen in deutschen fernzügen.

*

der zug fetzt mal wieder nicht, da er in norddeutschland nicht schnell fahren darf, da die steigungen enorm sind – es bräuchte einen zahnradantrieb. ich bin ein hund und ich weiß es und wäre lieber eine katze, aber ich weiß es allein und darf es nicht verraten, oder ich zerreiße. wenn ich nicht zerrisse, zerfetzte man mich und meine fetzen flögen bis in die cirruswolken und defektierten flugzeugturbinen.

*

die wolken ziehen in das tal hinein, in das eine straße hineinführt, nur um dort zu enden. ein kleines dorf, etwa 300 einwohner, vom wahnsinn des massentourismus nicht abgeschnitten, aber noch nicht total zerstört, wie die stetig leise irgendwoher bimmelnden kuhglocken in vereinigung mit sanftem gülleduft andeuten, rote kirchturmspitze – nicht st. moritz. die hellen wolken haben nichts bedrohliches, auch wenn sie sich drängeln, als gäbe es etwas umsonst oder bananen, nur an der spannung in der luft fühlt man, dass sie nichts gutes bringen. fernes grollen dringt in das abgelegene tal, nur minuten später, dringt hindurch bis zu den abgelegensten almen, um von dort aus wieder zu erschallen, leiser, aber doch noch hörbar. frank liegt auf einer bank am weg, schließt kurz die augen und als er sie wieder öffnet, nehmen finstere wolken die sicht zum blauen himmel. bald darauf verschwinden die nahen gipfel jenseits des engen tales in der grauen suppe, man könnte annehmen, alles hätte sich aufgelöst. dispersionsmittel. regen setzt ein, tröpfelnd, sich bald steigernd, dass frank auch in dem leeren heuschober, in den er sich vor dem sich überdeutlich nähernden unwetter geflüchtet hat, ein wenig wasser abbekommt – der wind zieht die tropfen durch die astlöcher und die spalte zwischen den rohen brettern, nur in der mitte ist es trocken, es weht von überall. der boden ist weich, rindenmulch, ein paar leere bierdosen verderben die illusion der ursprünglichkeit, der zivilisationsferne. laut trommelt der regen auf dem dach, lauter noch ertönt das grollen, selten nur erhascht frank den schein eines blitzes, noch seltener vermag er zu zählen, wie lange es dauert bis der donner fehlt – es grollt und grollt, er zählt laut und langsam „eins – zwei – drei – vier“ und denkt dabei fortwährend „einundzwanzig, einundzwanzig, einundzwanzig, einundzwanzig“.

*

einundzwanzig war ein gutes alter denkt der alte mann am morgen, als er gegen die gischt die ersten paar schlucke rasierwasser trinkt, er hat ja noch genug und muss sich nicht mehr rasieren, alles ist tot, was darauf geachtet hätte, „selbst die tiere gehen mir aus dem weg, selbst die hunde bellen mich nicht mehr an.“
schwarzsichtig vor grauem star wird er seine hütte eines tages verlassen, sobald er den letzten tropfen rasierwasser aufgetrunken und das letzte stück seife verzerrt hat, wird ins watt gehen, so weit wie in der jugend, nur dass er nicht mehr die beine hat, zurückzukommen.

*

„man muss zurück ins leben, ist mies drauf, starrt in die ferne, ohne menschen oder dinge als mehr als graue flecken wahrzunehmen, geht, um nicht stehenzubleiben, um nicht umzukehren. dann, plötzlich nimmt man doch etwas war, irgendein gesicht, das näher kommt, weil dem auge des jägers bei aller unschärfe eine veränderung nicht entgangen ist: eine bewegung der mundwinkel und in der augengegend. ein aufmunterndes lächeln, zufall, unbewusst wahrscheinlich, geschenkt, es ist da. und man lächelt zurück, der himmel ist nicht weniger grau, sondern bekommt plötzlich blaue flecken, die farben kommen zurück, als wäre der farbkontrastregler der fernbedienung plötzlich nicht mehr defekt nach langem drücken.
das leben ist vorerst gerettet.“

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