herbsttage

die dunkle nacht hat sich gelichtet. „das ist einer der letzten hellen tage dieses jahr“, denkt frank, „man sollte an den strand fahren, oder gehen.“ – genau wissend, dass er es nicht tun wird, er wird wieder zur uni gehen, etwas in der bibliothek lernen, etwas zeitung lesen, viel kaffee trinken. wieder nur einen teil dessen schaffen, das auf seiner liste steht.

diese tage in der stadt am meer wären grau und monoton, hätte frank es nicht geschafft, wieder mal genauer hinzusehen – mit der zeit wird diese freude an den kleinen dingen zurück in die bücher fliehen, in denen er sich diesen blickwinkel erschlossen hat, aber noch reicht es, den gleichen weg wie jeden tag entlang zu gehen, es ist nie dasselbe, die schatten fallen anders, eine ungesehene frucht, ein blatt, das langsam fällt, mit aller ruhe, das dann von einem windstoß verweht wird – die welt ist so reich und dieser herbst ist bunt, nicht grau wie der im letzten jahr.

„es ist alles nur schein“, denkt frank, „der schein ist wichtiger als das sein“ – er hat es kürzlich mehrfach so erfahren. etwa, als er seine verwandschaft am rhein besuchte, schien er, ohne seine alten, langen haare gleich viel zielstrebiger – auch wenn er es, da ist er sich sicher, nicht ist, es ist lange zeit alles nur schlimmer geworden, „da kann man sich nicht binnen zwei wochen herauswinden, das ist ein langer weg“. aber es wird besser, die traurigkeit der letzen monde schwindet, stück für stück, die lähmung mancher gehirnwindung löst sich, auch wenn die polkappen weiter rapide abschmelzen.

aber die traurigkeit, wie alles, das schwindet, ist noch existent und drückt sich gelegentlich darin aus, dass sie frank lähmt, dann kann er nichts tun. dagegen ankämpfen, ja, aber zu oft hat er diesen kampf verloren – was seine gefühlslage nicht gerade verbesserte. die einzige lösung ist die traurigkeit weg zu schlafen, zu schlafen, bis ein wunderbarer morgen den gedanken an all die ungerechtigkeiten und unmöglichkeiten in franks welt wegeschwemmt hat, wie ein regenguss den dreck auf den straßen.

doch nicht immer, wenn es frank packt, kann er schlafen – mal, weil partout nicht müde ist, mal, weil er einfach noch ein paar stunden vorlesung hat, mal, weil er die bar noch mindestens zwei stunden offenhalten muss, da erst 23 uhr ist. es sind materqualen, die frank in jenen situationen durchleidet, der kampf, die maske von aufmerksamkeit und guter stimmung aufrecht zu erhalten, ist kein leichter – und darf doch nicht verloren gehen, es dürfen keine tränen fließen.

und doch wird es besser, mit jedem tag, an dem frank es schafft, ansatzweise das zu erledigen, das auf seiner liste steht, mit jedem tag, an dem frank vor die tür geht oder sogar eine runde laufen geht, so sinnlos ihm dieses gelaufe auch scheinen mag, macht es doch unbestreitbar glücklich, genau wie die dusche danach.

die blätter fallen und fallen und der tag, nach dem frank behaupten muss, er sei nun sein ehemaliges alter plus eins, obwohl ziemlich genau nichts passiert ist, als das eben jener jahrestag passiert ist, überstanden sozusagen, rückt näher und näher.

fortsetzung folgt

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