nichts los

„es ist aber auch wirklich gar nichts los“, denkt frank, „da draußen, und mit mir hier.“ wieder einmal sitzt frank bis in die tiefe nacht vor seinem pc und er hat schon den tag so begonnen – es ist ruinös, er weiß es und doch kann er es nicht stoppen.

er sollte seinen pc am besten ausschalten und wegpacken, das könnte helfen – denn so verdaddelt er seine tage. wenn er wenigstens schreiben würde oder sich aktiv zu einem thema informieren – aber das geschieht nicht, er vertut nur seine zeit, unterbricht nur selten jene sinnlose tätigkeit um rauszugehen, etwa um neue lebensmittel zu beschaffen.

vergangene woche war frank in der schweiz und computerlos – es hat ihm unendlich gut getan – bergwandern, bücherlesen statt internetblödsinn. aber zurück in der stadt an der see verfällt er in alte verhaltensmuster zurück – was zwar auch an seinem motivationstief oder am nicht berauschenden wetter liegen mag, aber dennoch: es ist fatal.

irgendwann schläft frank ein, nachdem er sich entschlossen hat, noch einen gangsterfilm zu sehen, einen alten aus dem jahr 1939.
später wird er einmal rekonstruieren, dass er exakt 20 minuten vor ende des films eingeschlafen ist.

der traum den er träumt, kann er am nächsten morgen nicht mehr so ganz erinnern, was er aber weiß, sobald er aufgewacht ist: da war ein langer leiser schrei, mein name wurde gerufen: fraaaank
frank mag diese aufwacherinnerungen nicht, denn er kann niemals sagen, ob sie aus der realen welt in den traum hereingetropft sind, oder nur aus dem traum in die reale welt. aber zurück zum traum: es sind noch ein paar bilder, in franks kopf. etwa ein riesiger kellerraum mit hoher decke und vielen großen fernsehern – kein überwachungsraum, nein, die fernseher sind unterschiedlich groß, zeigen spielfilme und fussball, sind in den verschiedensten ecken jener kellerhalle angebracht, und kellerraum – frank erinnert sich, eine treppe heruntergegangen zu sein, und dieser raum hat keine fenster, und die wände sind ab einer gewissen höhe nicht gut verputzt. in diesem raum hat das rufen begonnen, als frank gerade ein gespräch mit dem gastgeber über einen gemeinsamen nachbarn geführt hat, einen alternden professor, den man kaum noch sähe und wenn sei dieser oft übel gelaunt. bei diesem gespräch war man nicht allein – es hatte aber nicht den charakter eines empfangs, mehr den eines familienabends, auch wenn aus franks nächstem familienkreis niemand da war „die sind noch in der schweiz“, so doch aus seinem weiteren familienkreis sind menschen anwesend, wie frank älter als real, aber doch noch erkennbar, frank (oder hat sich sein name geändert?) erkennt alle ohne zu stutzen und wird genauso erkannt, man muss also — aber nein, der schrei. es ist der schrei einer frau und der schrei klingt, als komme er durch eine der mauern, genauer, durch die mauer, der frank seinen rücken zuwendet, der schrei klingt, als brauche jemand dringend franks hilfe.

das aufwachen, so viel ist klar, ist kompliziert, irgendwann schlägt frank die augen auf, sieht das gelbe licht, dass durch die vorhänge vor seinem offenen zimmerfenster diffundiert, es muss tag sein, er setzt seine brille auf, trinkt ein glas orangensaft, geht wasser lassen. in seinem kopf jener schrei, der ihn nicht gleich loslassen will – es dann aber doch tut: „es ist eben gar nichts los, da fängt man schon an zu phantasieren.“

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