katerstimmung [verlängert]

„es ist schon komisch“, denkt frank, seit vier stunden wach, „ich habe keinen blassen schimmer, wann ich zu bett gegangen bin – denken kann ich auch nicht wirklich, da sich in meinem kopf alles im kreis dreht, wegen gestern abend.“ am tag zuvor hat frank ein paar bier getrunken, nicht viel, aber diese paar bier haben eingeschlagen wie ein bombe: frank hat einen kater.

frank, in der mensa, stochert lustlos in seinen cevapcici, lustlos im reis, bei jedem bissen das gefühl, dass sich der magen umdreht – immerhin: der nachtisch schmeckt, verursacht keine übelkeit. frank bringt sein tablet weg, ein blitz erhellt das gebäude, der donner folgt spät, es ist noch weit weg, gewitter. noch einen kaffee, wie immer zu süß mit haselnusssirup, frank geht raus, es regnet, frank hält kurz inne und geht dann doch, heldenhaft, als würde es gar nicht regnen, um ihn rennt alles oder hat einen regenschirm – frank geht ruhig, heldenhaft, heldenhaft ruhig, als gäbe es nichts zu verlieren und es gibt auch nichts zu verlieren, es ist ein lauer sommerregen, eine sanfte dusche die franks fiebrigen körper kühlt, er denkt: „wenn mich jetzt der blitz erschlägt, dann soll es so sein.“

frank fragt sich, was die menschen von ihm denken, vermutlich denken sie, dass er ein komischer kauz ist, ein freak und frank weiß, dass sie, wenn sie es denken sollten, nicht ganz unrecht haben, er versteht sich selbst seit langen nicht mehr. er hat am tag zuvor gesoffen, nach langer zeit wieder einmal, er wollte es ruhig angehen lassen, aber dann waren nach einer halben stunde doch schon zwei flaschen bier geleert. er hat mit jan, einem kollegen stellas, gegen stella und sina gekickert, zwischenzeitlich lagen sie mit 2:8 deutlich hinten, aber dann, nach einer pause und einem großen schluck bier haben sie das unglaubliche vollbracht und das spiel gedreht, 10:9 gewonnen, eine besondere erfahrung. er hat gedacht: „ich sollte nur noch betrunken spielen, anscheinend bin ich dann besser.“ jetzt aber geht er durch den sommerregen und wird nass, aber es ist nicht unangenehm, er hat den bus verpasst und wird die knappen zwei kilometer jetzt ganz zu fuß laufen, was soll das auch sonst alles.

bevor frank zur mensa aufgebrochen ist, hat er mit seiner mutter telefoniert, ein furchtbares gespräch, verkatert zu telefonieren ist niemals ein vergnügen, aber in diesem fall… er solle nicht mehr trinken, vor den klausuren sagt sie und frank, im regen, denkt: „das geht nicht weit genug, ich sollte gar nicht mehr trinken, es tötet mich, es hebt mich in große höhe und lässt mich unvermittelt fallen, am tag danach bin ich jedesmal von narben und blauen flecken übersäht: der ganze körper ein einziges blaugrünrot.“

frank überlegt sich, sich auf die wiese zu legen, in den regen, diese lauwarme dusche und er weiß, dass er es nicht tun kann: es ist nicht konform. „der konformismus ist ein fatalismus“ schießt durch seinen kopf und zum ersten mal an diesem tag ist frank froh, dass er heute keinen klaren gedanken fassen kann, da die bäume seiner gedanken in einem sägewerk bearbeitet werden und in kleine bretter zersägt werden, in einem einzigen niemals endenden rattern. aber noch ist der gedanke da, es ist so, frank denkt: heute bin ich mal fatalist.

und nicht nur das: am letzten abend hat frank stella für lange zeit zum letzten mal gesehen, sie trampt nach spanien mit jan, an diesem abend, das wird frank noch erfahren, werden sie es schon bis belgien geschafft haben – obwohl sie vor so kurzem noch hier waren. und der abschied war komisch, frank, volltrunken, immerhin mal nicht schwarzsichtig, aber fast außer kontrolle, weiß nicht mehr genau, wie der abschied lief, er erinnert sich, sie umarmt zu haben und irgendetwas von „toi toi toi pass auf dich auf“ gelallt zu haben – er weiß: „so großartig wie an diesem abend war ich bislang nur selten, aber vielleicht war es zu viel für diese situation“ – frank hat generell etwas gegen abschiede, er will sie immer schnell hinter sich bringen, da er stets angst hat, die geschätzten menschen (von menschen, die ihm egal sind, verabschiedet er sich generell nicht wirklich) niemals wieder zu sehen – jedenfalls, wenn die leute so ein unternehmen angehen. frank weiß, dass er nicht in der lage wäre zu trampen, er hat eine scheu vor menschen, davor menschen anzusprechen, sie um etwas zu bitten, bei allen menschen geht ihm das so, bei seinen eltern, bei besten freunden, bei freundinnen – wenn er mal welche hat – er hat dieses verdammte problem sich selbst zu verlassen, kleinigkeiten make him worry for ages — es ist pathologisch.

jetzt im regen mit gedankensägewerk im kopf fragt sich frank, was er eigentlich fühlt und er weiß es nicht, er schafft es nicht seine gefühle für stella zu ergründen, sie ist wieder da, die große unklarheit – es mag daran liegen, dass frank sich fürchtet, sich gefühle wahrlich einzugestehen, vor langer zeit hat er einen strophe geschrieben „wenn ich doch verliebt sein sollte / stört dass ich nicht an sie denke / an sie an die ich mich verschenke / weil ich’s irgendwann mal wollte“, er hat seitdem er das schrieb viel über einen vers nachgedacht – es ist eine lüge, wenn frank mit dem lyrischen ich identisch wäre, wäre es jedenfalls eine: frank verschenkt sich eben nicht, eher verschenken sich menschen an frank und frank nimmt das geschenk nicht an, er verrenkt sich also noch nicht mal — frank ist gar nicht in der lage sich ganz herzugeben, er verhakt in sich selbst mit seinen gedankenstürmen, seiner ständigen depression, seiner angst vor allem und jedem und vor verlust. nein, er gibt sich nicht her, wenn etwas sicher ist, dann das, sei es aus angst, nicht anerkannt zu werden oder aus anderen gründen, etwa enttäuschungen der vergangenheit — frank ist frank und allein und sonst nichts, in einem käfig aus dem er nicht ausbrechen kann.

zurück zum abend: frank erinnert sich noch müde an eine szene draußen, alfredo d., nicht sein kollege, sondern ein anderer meint plötzlich unvermittelt, frank sähe aus wie family guy, frank hat kein ahnung, was das nun wieder heißen soll, er hat sich den scheiß niemals angesehen und kann somit noch nicht mal sicher sagen, dass es wirklich scheiße ist, er weiß nur, da er es jetzt gerade erfährt, dass der family guy auch ein grübchenkinn hat. „interessant“, denkt frank und ist froh, dass er gerade keine unterschwelligen aggressionen in sich fühlt, die sonst bei so einem blöden gerede leicht hervorbrechen kann. der zufällige gedankenstörer setzt zu und der mittlerweile durchnässte frank hat eine andere szene vor augen: er unterhält sich mit carla – es ist ihm lang gelungen, das zu vermeiden, jetzt unterhält man sich und gar nicht mal schlecht, aber gut: frank ist auch jenseits von gut und böse —
und wenn er darüber nachdenkt, ist er mal wieder froh, dass jetzt gleich das gedankensägewerk seine arbeit erledigen wird und dafür sorgen wird, dass sich frank nicht über ein harmloses gespräch stundenlang selbst zerfleischt.

frank ist angekommen, er ist in seinem wohnheim, überlegt, die nassen sachen auszuziehen, aber lässt es dann doch, er stellt fest, dass er sich gerade nicht besonders mit seinem computer versteht und sieht zu, dass er was anderes tut und es endet wie folgt: frank unterhält sich zwei stunden mit simon, rikes freund, auf englisch über sprache, das töten von hasen und welpen, katzen und hunde, konsum von alkohol, kaffee und anderen drogen – bis frank irgendwann denkt, dass er sich jetzt vielleicht doch wieder mit seinem pc vertragen könnte.
und er setzt sich hin und schreibt einen sinnlosen text.

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