ein tag

es ist ein tag wie viele andere, frank ist nur schwerlich dem schlaf entkommen, er hat sich aus seinem bett auf den boden fallen lassen um die grundmüdigkeit zu beseitigen, seinen trotz fitnessübung trägen körper unter die dusche geschleppt, das vitalisierende shampoo brachte etwas mehr wachheit (und das ohne brennende augen), dann auf das fahrrad und schnell (so schnell wie das teil noch fährt, mit der defekten gangschaltung) auf den campus, dort erstmal in die cafeteria und einen kaffee gekauft und danach langsam ausgetrunken, dabei hat er sich gefragt, warum er seinen kaffee so gern mit sirup trinkt und ist auf keine andere antwort gekommen, als das er es tut, weil er es gern mag.

die mensa ist schon voll, es ist 11 uhr vormittags – auch wenn es frank scheint als wäre es 5 uhr morgens, es ist wolkig, aber es soll noch sonnig werden an diesem tag und es wird sonnig werden und frank wird sich fragen, warum er sich mal wieder zu sehr gekleidet hat.

erstmal aber sitzt frank allein an einem tisch auf einem roten stuhl und denkt sich – zum wiederholten male beim betrachten seiner bunt gemischten umgebung, die in der hitze unter dem glasdach lernt und isst und wuselt und wimmelt – „der konformismus ist ein fatalismus.“
auf diese wahrheit ist er vor über zwei wochen gekommen, zufällig ereilte sie franks rotweinschweres hirn und hat sich seitdem in seinem kopf festgesetzt, parasitär eingenistet sozusagen. und diese wahrheit saugt, wenn sie frank überkommt, alles andere aus seinem hirn, er vergisst, wo er hinwollte, ja, fast vergisst er zu atmen, fast rutscht er wie eine muskellose, formbare, gummiartige masse von dem stuhl auf dem er nunmehr eher hängt als sitzt – es ist einfach so wahr: die ganzen menschen, denen man ihr studienfach ansieht, deren studienfach man schon 5 kilometer gegen den wind riechen könnte, wenn man eine ausreichend gute nase hätte – sie alle haben sich der sache die sie da tun geradezu bedingungslos ausgeliefert, fatalistisch, gehen mit jedem vorurteil, welches man gegen die jeweilige fachrichtung haben kann, stereotyp konform.
natürlich ist das ganze nicht immer so klar, aber auch frank weiß, dass ausnahmen nur dazu da sind, die regel zu bestätigen.

und der tag geht weiter, eine veranstaltung, etwas lerngruppe, ein wenig rechenzentrum, die universität ist geschafft und frank setzt sich wieder auf sein fahrrad und rast zurück, so schnell er kann, er muss sich auspowern, sonst kann er nicht schlafen und wird morgen gar nicht wach.

aber das auspowern auf dem rad allein bringt es nicht, also kümmert frank sich, angekommen, noch ein wenig um seine hanteln, dann etwas essen, denn hungrig einschlafen ist nicht drin – die müdigkeit will sich mal wieder nicht einstellen, also was tun? hinlegen, lesen. proust etwa, auch wenn die scheinbare ereignislosigkeit des buches viel konzentration erfordert, man muss vorsichtig lesen, die kleinen töne wahrnehmen, die madeleines, die in den tee getunkt werden…

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