besonderer sonntag

frank denkt „es ist doch alles ein dilemma“ und streckt sich im grauen bademantel auf der tagesdecke seines bettes – es ist sechs uhr abends und frank verweilt noch immer in bademantel und boxershorts. das licht ist gräulich, draußen ist schon den ganzen tag bewölkt und mittlerweile ist bei frank auch bewölkt.

eben hat er mal wieder über stella nachgedacht, plötzlich war er sich absolut sicher, dass da nichts draus wird, dass jeder weitere gedanke in die richtung nichts als zeitverschwendung ist – sie gehört wohl zu den wenigen, die frank lieben kann, aber falschherum durch einbahnstraßen zu fahren führt auf die dauer zu strafzetteln oder blechschäden – das weiß frank.

„es ist an diesem sonntag genau ein jahr her“, denkt frank, „diese abgefuckte trennung, dieses beenden einer beziehung, die mich fertig gemacht hat und deren ende mich dann noch weiter zerstörte.“ und frank denkt daran, dass er sich in den tagen der trennung (es waren drei, bis sie aufgaben zu reden – besser: bis frank es aufgab) seiner damaligen nicht mehr genähert hat, mindestens in diesen drei tagen, weil er es geistig nicht mehr aushielt und seinen körper da nicht hereinfuschen lassen wollte. und seitdem? ein paar umarmungen, das war es. kein weiterer kontakt. „und ja“, sinniert er, „es hätte gelegenheiten gegeben, etwa rosalyn, aber ich wollte nicht. und jetzt hätte ich auch große probleme mehr zuzulassen, ich sehe mich die ganze zeit nur als leiche“ und er beginnt fast zu laut fluchen, besinnt sich dann aber noch mal der hellhörigkeit der wände, wegen der er vor fast einem jahr, am 13. juli 2008, auch nicht laut weinen konnte.

„es hat mir damals sehr geholfen, diesen harte entscheidung zu treffen, mein leben bewusst nach vorn zu bringen“, frank schaut sich seine füße an, „es hat mir neue kraft gegeben, mir ermöglicht, mich etwas von der trennung und dem alkohol danach zu befreien, ich wollte mir was beweisen“, er hält inne, „aber jetzt gerade: es tötet mich. und ich werde weiter arbeiten, an mir, an meinem studium und dann werde ich diese wanderung machen“ – er hat sich gerade einen von 150€ heruntergesetzten outdoorschlafsack gekauft – „und man wird sehen, vermutlich werde ich über mich und mein leben per münzwurf entscheiden und dann werde ich es doch nicht tun, egal wie die münze fällt und es ein paar tage später bitter bereuen, aber nichts an meiner situation ändern können.“

immerhin trinkt frank nur sehr geregelt alkohol, kerouacs „big sur“ hat ihn dazu gebracht im juli maximal einmal die woche alkohol zu sich zu nehmen – und frank ist da strikt: er würde noch nicht mal alkoholpralinen anrühren – „wenn ich so diszipliniert in sachen lernen wäre, wäre ich fertig oder fast fertig mit meinem studium.“

frank, mittlerweile angezogen, greift sich sein tagebuch, welches er seit der „septemberentscheidung“ mit sich führt und schreibt: „jeder weitere gedanke an s. ist purste zeitverschwendung, wird eh nichts. ich weiß es: ich werde mich – wie auch immer – dafür entscheiden, dieser scheiße ein ende zu setzen, aber es dann doch nicht tun, da ich das nichts fürchte. glaubte ich an irgendein jenseits, ich würde wohl längst nicht mehr atmen.
so aber klammere ich mich doch immer wieder an diese existenz, deren natur mich abstößt, in der ich mich nicht wohlfühle, mich schwach wähne, die mir unendlich erscheint, nach deren ende ich mich sehne, das ich aber nicht herbeiführen kann, genauso wenig wie ich glücklich sein kann.“

später, frank hinter der bar, der film ist überstanden, irgend so ein dusseliger us-antiterror-thriller, eben hat er gekickert, partiell erfolgreich, wenn da nicht immer wieder diese einbrüche wären, plötzlich kann er sich nicht mehr konzentrieren, plötzlich ist alles weg, dann, er bemerkt es, versucht sich zusammenzureißen und es geht weiter, aber wer weiß schon wie lang? und jetzt sitzt er hier und hat überhaupt kein bock, es ist ziemlich leer, er wird bald zumachen und basta.

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