mathieus party

frank ist betrunken, nach 6 tagen wieder einmal, es hat lang gedauert, es ist mathieus geburtstagsfeier, einen tag zuvor hatte er geburtstag, frank kann nicht anders als sich zu betrinken, es ist zuviel verdammte vergangenheit im raum, seine ex etwa, und er hat keine lust auf nichts, er muss einfach trinken.

frank sitzt auf seinem sessel und mathieu kommt zu ihn „geile party, nur wegen dir“ er sagt es dreimal und dann: „wenn ich könnte, ich würde hier alle verprügeln“ und frank denkt: „ja nee, ist klar!“

etwas später ist der laden zu und man sitzt vor der tür.“dicker schwanz für die richterin“ grölt mathieu, „willst du nochn pott kartoffelsalat?“ mathieu ist voll und alle anderen vor der tür auch, aber mathieu fordert das natalie und dennis, die irgendwann mal fast zusammen waren, was frank weiß, aber nicht mathieu, sich verdammt noch mal küssen sollen. überhaupt: dieser scheiß abend, es fing nicht schlecht an und es war auch nicht schlecht, aber frank, lange heldenhaft nüchtern vor diesem abend, war an diesem tag mehr oder weniger in einer depressiven stimmung.

nächster morgen, zehn uhr, frank hat drei stunden geschlafen, heinrich klopft ihn wach, sie betrachten eine vorbeiziehende horde „kostümnazis“ und salutieren dabei affig von ihrem fenster im dritten stock und werden nicht wahrgenommen, als der umzug vollends vorbeigezogen ist – deutlich kürzer als in dem ort, in dem franks eltern ihr dasein fristen –, fällt frank auf das die küche dreckig ist und er sagt: „was soll der scheiß, wieso aschen diese kackvögel auf den verdammten tisch, kann man da nichts machen?“ und frank denkt an die verdammten sopranos, wie die vorgehen würden.

zurück zum abend: frank sitzt hinter dem thresen, der laden ist noch ziemlich leer, es ist niemand anderes da, dem er zutraut mit dieser position verantwortlich umzugehen und er ist noch nicht so am ende dass ihm alles egal ist, er trinkt ein becks und gleichzeitig eine rum-vodka-blue curaçao-fanta-energy-grenadinensirup-mischung, zu der mathieus freundin sagt: das ist zu hart für mich, willst du dich umbringen? und frank starrt nur und sagt: nein, ich kann nicht anders. er sagt nicht: ich halt den scheiß nicht anders aus, er denkt es nur. gustav ist schon betrunken, er kommt hinter die theke und haut frank auf den arsch, worauf frank sagt: „mach das nie wieder, oder ich weiß nicht, soll heißen: du kannst verdammt noch mal auswählen, wie du stirbst“ frank sagt es mit seiner seit tagen heiseren stimme, mit kalten, halbtoten starrenden augen, so dass gustav, schockiert, ihn baff ansieht und sagt: „verdammt bist du scheiße drauf, ist gut, dass du was unternimmst.“

„was ist los, was guckst du so grimmig“, sagt annette, die französin mit den roten haaren und dem netten akzent und frank muss unwillkürlich lächeln: „ach, weißt du, die dumme depression, kann nichts gegen machen, aber ich werd mir mühe geben, ich versprech’s“ und sie lächelt zurück und frank sieht ihr in die dunklen augen, bis er fast umfällt.

mathieu ist gut drauf, er mimt mal wieder den großen knotentänzer und dreht arme studentinnen auf der tanzfläche durch die gegend, bis ihnen schwindlig ist und sie fast zusammenbrechen und stella sagt zu frank, geradezu konspirativ: „gut drauf, dein kollege, ich bin nur froh, dass er mich nicht so durch die gegend wirbelt“
frank gibt ihr den wasserbecher, den sie sich teilen, denn sie sind beide halb verdurstet und frank ist noch sehr betrunken dazu – er gibt ihn ihr und sagt: „das ist der grund, warum ich ihn so mag: er ist zwar konservativ, aber gleichzeitig total verrückt“ – und als ob mathieu das gehört hätte, springt er wie ein rumpelstilzchen mit seinem weissen stirnschweißband an ihnen vorbei und holt sich ein neues bier.

frank sitzt in der küche, er mag seine heisere stimme aber nach wie vor ist er sauer über die asche auf dem tisch und seit langem philosophiert er mal wieder mit heinrich über foltermethoden, beide schlürfen kaffee (frank mit milch, da er magenschmerzen fürchtet) und kommen sich angenehm krank und pseudosoziopathisch vor – „was denkst du, man rammt den leuten ein rohr in den arsch und schickt dann ratten da rein“ „ja, das ist witzig“, frank stellt es sich vor, bildlich, dreckige, hässliche, verstrahlte ratten, die in eine röhre hineinwandern, „kann man wohl furzen, mit so einem rohr im arsch?“

frank liegt auf der wiese, stella ist längst weg, frank kann sich kaum noch an ihren abschied erinnern, es ist morgen, es ist 6 uhr, mathieu ist auch gerade gegangen, er ist auf der wiese und wirft mit natalie und dennis flaschen in die luft, die astraflaschen sind die besten, sie geben beim steigen und fallen ein schönes pfeifen von sich, eben haben sie sich mit gras beworfen, sinnlos wie sonst was, da war noch matti da mit seiner buddy holly musik vom handy und irgendso ein anderer ossi, es war herrlich sinnlos, vorher hatten dennis und frank sich gegenseitig mit dem kartoffelsalateimer beworfen, es ist ein beschissener morgen und wenn sie bald reingehen, dann liegt das nur daran, dass es anfängt zu regnen.

es ist ca 2, frank ist betrunken, er sitzt auf dem verdammten zaun des parkplatzes, er sitzt da mit matti, den er für einen naivling hält oder für einen idioten -was er aber gut kaschieren kann -, sie unterhalten sich über literatur, eben waren noch andere menschen da, es ging um mattis namen, irgendjemand hat gesagt – frank glaubt, dass es die flache polin war, deren namen er mit schöner regelmäßigkeit vergisst, irgendwas mit a – man habe erst gedacht, matti heiße matthias, frank darauf, heiser und dennoch sonor und nicht ganz so finster wie noch vor 10 minuten: „herr puntila und sein knecht matti“ worauf sich diese diskussion über kultur und -losigkeit entsponnen hat, brecht, grass, kerouac kennt matti, frank hat es nicht anders erwartet, nicht, hemmingway ist auch noch gesprächsthema.

ein paar tage vorher, frank und mathieu auf dem campus, mathieu sagt: „die menschen haben zwei ziele, geld und sex“ und frank kann nicht anders als zuzustimmen, es ist so simpel wie wahr – und jetzt, es ist ungefähr drei alfredo, arm auf franks schulter, seine freundin ist gerade draußen, sie sieht müde aus wie immer – stella, ca zweieinhalb stunden zuvor: „sie sieht fertig aus, verdammter konsum“ frank: „ich habe wirklich großes glück, dass man mir das nicht so ansieht“
stella: „so schlimm bist du auch nicht, du hast eher so einen brutalst leeren blick“ – alfredo also zu frank: „ich habe eine freundin, ich liebe sie, aber stella, wow, sie haut einen aus den socken“ „nicht nur dich und mich“ „versteh mich nicht falsch, frank, fränk sinatra, ich bleib bei meiner freundin, ich mach dir da keine konkurrenz“ und frank sagt, plötzlich sehr heiser: „das ist auch nicht nötig, ich krieg das auch so nicht hin, ich komm nicht weiter – nirgendwo“ „fränk, wollen wir noch was trinken?“ „nein, das hilft auch verdammt noch mal nicht, nehm deinen arm weg und nenn mich nicht fränk, ich geh mich mal umbringen, soll ich was mitbringen?“ und alfredo, lachend: „du fertiger freak“

lukas ist da, plötzlich, er hat eine witzige mütze auf und frank begrüsst ihn und sagt: „ich hab uns die zwei letzten ouzo gerettet“ – denn vor zwei tagen hat frank ja nichts getrunken, was, da ist er sich sicher wie in kaum einer anderen angelegenheit, noch öfter vorkommen wird, so fertig wie ihn dieser verfluchte alkohol gerade macht, sie trinken den ouzo, lukas, dessen nina gerade ihre eltern besucht: „du bist der beste, frank“ und frank sagt nur „weiß nicht“, grinst, geht zu stella, kann kaum stehen, ihm ist plötzlich übel, „wenn ich jetzt auf die toilette gehe, kann ich nicht mehr aufhören zu kotzen bis die eingeweide heraus sind“, er legt sich auf ein sofa, liegen kann er auch nicht – er übergibt sich aber nicht und trinkt bald wieder wasser mit stella und sina.

zwei tage vorher, donnerstag: „das ist doch ein beschissener käfig voller affen!“, denkt frank und bemüht sich, weiter zum bösen spiel eine gute miene zu bewahren. „warum habe ich bloß beschlossen, diesen monat maximal einmal die woche alkohol zu trinken“, dennis sagt fünfmal hintereinander „ich hab doch nur einen scherz gemacht“, er ist verflucht voll und trinkt weiter 0,3l sangria, nina spuckt wasser über die theke und auch carla ist nicht mehr ganz nüchtern — immerhin sind rike und simon da, wobei frank selbst nicht weiß, warum er das gut findet, vor allem da rike eben das letzte weizenglaß zerstört hat, was er doch für sein
und stella ist auch schon weg, ist mit sina gegangen und frank fragt sich, ob das an seiner mangelnden aufmerksamkeit lag oder daran, dass sie lernen muss – er weiß es nicht, er hat zwischendurch versucht, mit ihr in ein gespräch zu kommen, was nicht geklappt hat – es ist ihm aber auch nicht wirklich wichtig, er muss an mathieu denken, der heute geburtstag hat, es ist schon freitag, es ist schon nach 12. samstag wird frank wieder auf diesem stuhl sitzen, für samstag hat sich frank seinen alkoholtag dieser ersten verdammten juliwoche aufbewahrt, wegen samstag sitzt er hier nüchtern ohne ende und denkt vor allem „was für ein scheiß ist das hier“, aber am samstag feiert ja mathieu. trotzdem: er säße jetzt viel lieber in seinem zimmer und sähe sich noch ein paar folgen sopranos an, als hier auf dem barhocker zu versuchen freundlich zu sein und so zu tun, als hätte er spaß, er würde sogar lieber lernen. „gekickert habe ich heute auch noch nicht, verdammt“, aber warum soll er auch kickern, es ist doch alles doof, wenn man so nüchtern ist.

frank und stella am kicker, sie ist noch nicht lang da, es ist klar, dass sie verlieren werden, sina und mathieu sind besser und nüchterner und haben anders als frank niemals wolken vor den augen, schwarze wolken, und frank muss an „duichdu“ denken „wenn ich mit dir zusammenspiele / andere verschwimmen nur zu viele / farbig wird das fahle licht“ und er weiß, dass er auch diesen abend sich stella nicht weiter nähern wird, sie ist keine, der man sich einfach nähern kann, die man plötzlich, instinktiv und spontan einfach so küsst und er denkt: die zeilen stimmen, es kracht, er schießt ein tor, instinktiv und spontan, mit dem kopf ist er nicht bei der sache und sie fallen sich in die arme, warum wissen sie selbst nicht.

frank mag die musik nicht besonders, die läuft, aber er weiß: wenn er jetzt interpol spielt, etwa „stella was a diver“, dann zerstört er die gute stimmung. überhaupt, interpol; er ist marius dankbar, der ihn dereinst auf diese musik gebracht hat. marius, fast zwei meter, ein klassetyp, eine der wenigen positiven figuren franks beschissener schulzeit – frank hat ihn dennoch ewig nicht gesehen, er weiß gar nicht wie lang, er ist besoffen, zu besoffen zum rechnen, was soll der scheiß auch, ich bin seiner einladung, nach köln zu kommen nicht gefolgt. bei köln muss frank an düsseldorf denken: „dean! einer der wichtigsten menschen! und ich hab ihn lang nicht gesehen und mich ewigkeiten nicht gemeldet, verdammt, er soll noch vorbeikommen, hier, wir werden am strand liegen, alles wird gut sein, wir werden sinnvoll sinnlose gespräche führen, er muss vorbeikommen, bevor er sich in die weiten japans verpisst, der alte fucker.“ in dem moment geht franks ex dicht an ihm vorbei; „du wirst dean nicht kennenlernen, sumpfkuh!“

etwas früher: frank ist großartig betrunken, er trinkt ein alkoholfreies bier, um etwas runterzukommen, er sitzt hinter dem thresen, alfredo kommt, er hat keine lust seiner ex zuzuhören die auf der anderen seite der bar mit ihrem rettungsring sitzt und mit der er bewusst nicht spricht – die zu einem kumpel mathieus sagt, dass das alkoholfreie bier, das frank da trinke, eines der schlechtesten sei – alfredo, der erlöser, da er frank davor bewahrt auszurasten, frank, der es hasst, wenn man in nächster nähe über ihn oder seine sachen spricht. frank geht mit seinem bier auf die tanzfläche, wankt im takt um her, irgendwann ist sein bier leer, er stellt es auf die theke, seine ex sitzt nicht mehr da, zum glück, er geht wieder auf den dancefloor, tanzt, fühlt sich kaputt, kniet sich hin, plötzlich sind natalie und jeanette da und frank, ohnehin ein grottiger tänzer und jetzt zudem volltrunken bis oben an, versucht mit beiden zugleich zu tanzen, es gelingt nicht wirklich, aber sie haben spaß dabei, p.i.m.p.

am nächsten tag, die morbide phase mit heinrich ist vorrüber, frank ist nur noch depressiv, nicht mehr aggressiv, er hat rike angemacht wie ein wahnsinniger, der asche wegen, es tut ihm leid, aber er kann sich auch nicht durchringen, sich zu entschuldigen, er sitzt in seinem zimmer, bademantel; er ist frustriert. und er hat keinen konkreten grund für seine frustration, sie existiert einfach, er denkt an nichts.

wieder party, ca 23:30: frank hinter dem thresen, ein araber bestellt ein bier, frank hatte vor ein paar tagen fast eine auseinandersetzung mit ihm, am kickertisch, frank hatte gefordert mit christoph, und der kerl fordert danach, tom, am kicker, hat franks fordern nicht mitbekommen und fällt ihm in den rücken. jetzt steht der kerl da mit einer brennenden zigarette und frank sagt ihm: „geh raus mit deiner zigarette, hier drin ist rauchverbot“, er könnte ihm jetzt gerade in die fresse schlagen, aber beherrscht sich, er ist aggressiv, der andere faselt irgendwas, frank:“ist ja in ordnung, ich bin entspannt und du gehst jetzt sofort mit deiner zigarette und deinem bier nach draußen“ — franks ton aber ist alles andere als entspannt.

in der küche; frank hat mit mathieu klarschiff gemacht, heinrich macht lasangne mit nina – nicht lukas nina, sondern nina, der georgischen dampfmaschine – frank hört teddybears sthlm und geht ab wie ein zäpfchen, tanzt wie ein wildgewordener derwisch, lebt, schwitzt, der trübsinn schwindet, da er noch nicht mal dumme kommentare zu musik und bewegungen bekommt, alles ist in ordnung, frank tanzt in seiner jogginghose auf wolken, die sonne des frühen abends scheint, die vorhänge, gelb, bewegen sich leicht im wind.

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