feuerwerk

frank sitzt auf einem denkmal. links von ihm stella und studienkollegen. rechts neben ihm besoffene schülerinnen, jedenfalls sehen sie für franks trübe augen ziemlich jung aus, geradezu verdammt jung und da die themen die sie haben, ihre sprache und all das frank relativ unbekannt erscheint, weiß er das er sich nicht irrt.
frank denkt nicht viel, er schlürft an seinem mojito und ist froh, dass alles heil überstanden ist, das volksfest fast zu ende, die eltern nicht mehr da und nüchtern ist er auch nicht mehr, nach einem liter bier, 4 sauren und einem halben mojito.
endlich geht es weiter, am meer entlang, welches hier einbetoniert und von anlegern übersäht ist, ohne das frank es weiß, geht es schon um einen guten platz für das feuerwerk, nicht mehr, nicht weniger. die sonne geht langsam unter, das meer ist nicht mehr silbern wie um acht (als frank hierher kam), es reflektiert die rötlichen wolken, die wie finstere gesichter aussehen, die frank aber nicht wahrnimmt, er ist absorbiert, muss schauen, wo seine füße hinlaufen, man schiebt sich langsam durch die massen, um schließlich irgendwo innezuhalten und sich niederzulassen, frank hat schon wieder vergessen, worum es geht, aber wie soll er auch einen klaren gedanken fassen, er hat ein hartes wochenende hinter sich und nicht nur das; stella ist ja auch noch in der nähe. immerhin: er hat das wochenende ohne tiefergehende identitätskrise bestritten, zwar mit finsteren wolken, aber die fragen die mit zukunft zu tun haben, konnte er weitestgehend ignorieren.
und sie brechen auch jetzt nicht mehr los, nicht mehr an diesem sonntag, vielleicht am montag – nichts genaues weiß man nicht.
schließlich, nach einem toilettengang und einem weiteren bier (diesmal eine andere marke, frank aus seiner jugend wohlbekannt) das feuerwerk, etwa 20 minuten lang, frank sitzt neben stellas mitbewohnerin sina am ufer, sina, die hier in der schönen stadt an der ostsee nur ein praktikum macht und aus dem heimatbundesland von franks vater kommt, unterhält sich über marktpreise von tankern und ubooten der gegenüberliegenden werft und staunt insgesamt nicht schlecht, da er sich wiederholt um den faktor zwei verschätzt. dann, das feuerwerk ist abgebrannt, eine wilde fahrradfahrt ohne licht zum heimischen wohnheim, frank hat wie immer angst vor der polizei – die aber von der dynamik des augenblicks verdrängt wird, ab zu franks „arbeitsplatz“, nach telefonterror hat er irgendwann einen schlüssel und schließt auf, er liebt stella, jetzt gerade fühlte er es, in diesem kurzen stillen moment, während sie schwatzend auf den schlüssel warteten; in franks kopf herrscht stille, er ist endlich mal wieder nicht nur gloomy, er denkt „es geht mir gerade gut, aber mir graut jetzt schon vor morgen früh“ – doch, die schwarzsichtigkeit drückt sich noch durch, „nach einem weiteren bier ist sie vielleicht weg“. dann ist schon wieder action, erst kickern, dann tanzen, irgendwann erzählt frank, der jedes zeitgefühl verloren hat, tom das er diesen job vermissen wird, nächstes semester, worauf stella meint, dass wenn sie jemals diesen job machen würde, sie frank auch ein bier ausgeben würde oder wenigstens einen sauren, worauf frank nachhakt, er hat ihr mal versucht ein bier auszugeben, sie lehnte es ab, er tat es dennoch: sie bezahlte es später. und frank sagt: „du spinnst, ich bin kein mensch der aufrechnet, es steckt keinerlei berechnung dahinter, wenn ich was ausgebe, wenn es so wäre und man all‘ die menschen bedenkt, denen ich in diesen zwei monaten schon etwas ausgegeben hab: das wäre ja furchtbar.“ und stella nimmt es ihm ab, sind beide betrunken, frank sieht die stangen seines imaginären käfigs nicht mehr. wenig später darf frank ihr endlich ein bier ausgeben, wenn sie nur wüsste wie glücklich ihn das macht — denkt er und denkt auch „ich darf der sache keine zu große bedeutung beimessen.“
sie tanzen noch etwas, verlieren nochmals gemeinsam beim tischfussball, was nicht weiter schlimm ist, denn man muss auch verlieren können und stella und frank sind sich beide sicher, dass die gegner noch viel zu unbetrunken sind und zudem sagt stella (frank sagt es nicht, weil nicht mehr an sprichworte glaubt): „glück im spiel, pech in der liebe“ – und da frank doch noch bei ein paar bällen glück hat (bei denen, die er versenkt und bei denen die er nicht kassiert) soll sich dieser spruch nicht nur in bezug auf tom bewahrheiten, den stella eigentlich (oder vorgeblich?) meinte.

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