elternbesuch/windgejammer

frank hat besuch, eher spontan, aber nicht unerwartet; es ist kieler woche, das kann man sich denken, denkt frank, läuft am strand entlang, die windjammerparade ist vorbei, die segler wieder im sicheren hafen. mit seinen eltern gibt es gerade kaum konflikte; frank kann an stella denken, die genauso an den wellen entlang ging, etwas südlich von dem ort an dem frank gerade läuft, aber doch am selben strand – und frank konnte sie nicht ansprechen. als sie einen tag später beide betrunken waren, hat er es ihr gestanden: ich wollte dich ansprechen, aber ich konnte nicht, durch das schweigen vorher habe ich eine distanz verspürt – sie versteht ihn, jedenfalls kommt es frank so vor, es ist ihnen wohl beiden gleich gegangen, also nicht so schlimm? doch, es ist furchtbar, sie können nur miteinander reden, wenn sie betrunken sind und einigermaßen allein. mit anderen menschen redet frank fast nur, wenn er betrunken ist, etwa mit asa: am tag nach dem strand ist er, als sie auf einmal da war und frank nicht hinter dem thresen sitzen musste, mehr oder weniger auf sie zugestürmt und hat sie umarmt, sie haben ein paar worte gewechselt – frank vertraut er irgendwie instinktiv, er liebt sie nicht, da ist er sich sicher, aber er mag sie sehr. und stella, liebt er sie? luftsprünge macht sein herz nicht mehr – oder jedenfalls nicht mehr so sehr – wenn er sie sieht, es ist komisch, grotesk, er kann’s nicht ausdrücken – und die wellen schlagen graugrünbeige rauschend auf die steine am ufer; „wenn stella nur hier wäre, nur stella und ich und ein paar flaschen wein und decken, damit sie nicht friert“ – es weht nicht wenig, die gischt spritzt weiß mit einer freundlichen aggressivität und die gräser und büsche biegen und beugen sich. „while my heart is freezing i am trying to go on“ surren die lautsprecher. ja, stella würde frieren, das mag frank an ihr, der selten friert (wenn dann aber richtig) oder was heißt mögen: er findet es sympathisch. überhaupt, ihre nicht perfekte, aber in franks wahrnehmung elegante erscheinung, ihre – jedenfalls oberflächliche – melancholie, das plötzliche, strahlende lächeln… eine wolke verdunkelt die sonne, die see wird grau und frank, der längst alle menschen um sich herum vergessen hat, während er vor seinen eltern hertrottet, nimmt es war, hypersensibel, wieder einmal, er denkt: „ich habe doch keine chance, das ist eine einbahnstraßenliebe, die ich emotionaler krüppel noch nicht mal richtig zeigen kann, was soll das ganze, es gibt andere, bei denen ich es sicher leichter hätte – aber die will ich nicht, schon allein, weil sie meine traurigkeit nicht kennen, wenn sie sie kennen würden wären sie ohnehin weg; wer will schon einen maskenmann. ich“, denkt frank,“würde doch auch keine person wollen, bei der ich niemals weiß, ob gerade wahrheit läuft oder nicht.“
die wolke ist weg und frank zwingt sich, nicht mehr weiter in sich zu gehen – was soll das alles nur bezwecken, aber die missstimmung bleibt, ist nicht wegzubringen, am liebsten würde er sich in sein zimmer sperren, es verdunkeln, was trinken, musik hören und sich irgendwann leise in den schlaf weinen, aber es geht nicht, er muss durchhalten, gesicht bewahren und so sitzt er mit seinen wolken im kopf mit seinen eltern herum, bis er sein fahrrad nach hause fährt, während seine eltern sich am kanal die zeit vertreiben, an franks kanal ohne frank. er muss an den strandtag denken, den rückweg mit stella, nur mit stella: war schön, das beste am ganzen strandtag. in einer kurve dann, verabschiedet sich franks kette und er denkt nur eins: gut, das mir das nicht mit stella passiert ist, er ist froh, aber auch wenn der himmel wolkenlos bleibt, schieben sich wieder wolkenberge auf und verdunkeln sein gemüt.

als er bei sich ankommt, geht er lukas, lukas freundin, rike und simon aus dem weg, winkt nur scheu sein „guten tag“ und passiert sie in zwei metern entfernung. er braucht eine dusche, die kette hat seine hand zwar nicht geschwärzt, da sie kaum öl hat und nur dreckig ist, aber die ganze situation macht frank fertig; er will nicht noch mal auf das verdammte volksfest, es ödet ihn an, er will nicht unter menschen, er will seine ruhe haben, aber es wird wohl keinen ausweg geben, er muss sich die füße platt laufen, er kann jetzt nicht aufgeben, er hat es so gut ausgehalten.
und frank spielt weiter, setzt die maske auf, so gut es geht, denn er hasst es, wenn man sich sorgen um ihn macht, er will niemanden stören und nicht gestört werden. und es geht fast gut, nur es zieht sich gegen ende alles zu lange hin, doch frank bewahrt eine gewisse contenance. immerhin.

und dann verdunkelt er sein zimmer und schläft langsam, sich von einer seite auf die andere rollend, nachdenkend, totmüde ein.
traumlos ist die nacht nicht.

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