schweiß

es gibt diese tage, da kannst du kaum arbeiten, weil dir zu viel im kopf rumgeistert, was sich nicht verwerten lässt, oder was du nicht verwerten willst. da sitzt du rum und drückst dich, kannst nicht schreiben, nicht lesen, nicht heben, kaum sitzen, fühlst dich nicht frei, nur gefangen. wenn du nicht sicher bist etwa, was eine person von dir denkt – oder sagen wir es direkter – für dich fühlt, eine person, bei der du dir nicht sicher bist, was du von ihr halten sollst. wenn du etwa duscht und dir plötzlich irgendetwas klar wird, weil in deinen gedanken szenen der letzten tage an dir vorbeirauschen, so wie die wasserstrahlen die deinen körper nicht treffen. du dir dann die haare gründlich einshampoonierst und denkst: „wuuaaah, die realität macht mir angst.“ und deine eigenen finger werden plötzlich zu fremden krallen, die deine kopfhaut fast aufreißen, alles verzerrt sich, schließlich machst du das wasser aus, weil du das gefühl hast, anders keine luft mehr zu bekommen.
diese tage sind dann gern mal von nächten begleitet, in denen du viel träumst, verworren, absurd, es regnet blut, abgründe tun sich auf, dann wieder alles in ordnung, ein tolles leben, gutes essen, guter sex und dann wieder horrorshow und hin und her und zurück.
nach 13 stunden wirst du wach, bist verschwitzt und fühlst dich, als hättest du nur 4 stunden und die eher schlecht geschlafen, du trinkst kaffee, damit du am schreibtisch beim lesen deiner korrespondenz und deiner lehrbücher nicht gleich wieder einschläfst, damit du etwas an diesem tag leisten kannst, aber wenn du nur zum supermarkt gehst, wirst du wieder schwitzen wie ein hund. an deine träume darfst du nicht denken, wenn du es tust und versuchst ein traumtagebuch zu führen, wirst du die verworrenen stränge nicht richtig zusammenführen können: es ist kein puzzle, es sind mehrere, bunt gemischt, eine herkulesaufgabe (bei der es nicht reicht, stark zu sein).
wenn du dann klarheit willst, kann es helfen, ausschweifende spaziergänge zu machen, es muss aber nicht, wenn du pech hast, siehst du plötzlich fabelwesen im wald, ein baumstumpf wird zu einer bestialischen mischung aus wildschwein und wolf, die ente im schilf zum alligator und die wildgans, die dich zum schutze ihrer jungen anfaucht zum feuerspeienden drachen: du schaffst es nur unter großer anstrengung nicht schreiend wegzulaufen.. dann, der sonnenuntergang ist geschehen, du kannst einen kurzen weg zurück durch den wald nehmen, oder einen längeren durch beleuchtete straßen. und du nimmst ohne lang nachzudenken den umweg, da du angst hast, wirklich beim nächsten mal davonzulaufen und nicht nur in der schrecksekunde stehenzubleiben, erstarrt wie eine salzsäule.
und wenn du dann ankommst, dann bist du dennoch verschwitzt, als hättest du sisyphosarbeit geleistet und ewig einen felsbrocken einen berg heraufgerollt, nur um ihn dann zu verlieren – dabei warst du noch nicht mal zu warm angezogen, eher zu kalt, erkältung droht. wenn du glück hast, kannst du nach einer weiteren dusche schlafen, ruhig und friedlich. wenn du weniger glück hast, wirst du dir die nacht irgendwie um die ohren schlagen und am nächsten morgen entweder erschöpft dein tagesgeschäft erledigen, müde, ausgebrannt und überreizt, oder, wenn du nichts zu tun hast, den tag verschlafen, traumreich, und alles beginnt von vorn und du wirst schweißnaß wach.



der titel mag unpassend sein, aber vor jahren schrieb ich einen „zyklus“ namens „blut schweiß tränen“ – die originale schweißgeschichte gefällt mir nicht, ich will sie also durch eine noch schwächere ersetzen: diese.

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