busfahrttaucher

frank stieg in den bus, es sollte zur mensa gehen. er musste was essen, das war klar. eigentlich hatte er zu aldi laufen wollen, um dort einzukaufen und sich dann, wieder zuhause angekommen, etwas zu kochen. aber nach ein paar metern hatte er gemerkt, dass er schlapp war wie selten. dieser weg würde ohne jede frage eine quälerei ohne gleichen werden – nein, das ging nicht. also busfahren.

frank mochte busfahren nicht sehr besonders, geliebt hatte er es nie, aber insbesondere jetzt, so um ein uhr, war es kein zuckerschlecken. der bus, das hatte er vorher gewusst, würde voll sein mit stinkenden, lauten, aggressiven kindern. und der bus war es. kein worst case, aber angenehm war auch anders, keine frage. na gut, dachte frank sich, 5 minuten, das geht schon. er hatte sogar einen sitzplatz gefunden, einen dieser gegenübersitzplätze. frank hasste diese sitzplätze – aber stehen wollte er auch nicht, es ging ihm ja eh nicht besonders gut. zusammenbrechen im bus, wie eine ehemalige freundin von ihm, nein, das würde er nicht, aber warum das risiko eingehen? er hörte musik.
„stella was a diver and she was always down“.
interpol. nein, er mochte es nicht, anderen menschen gegenüberzusitzen, unbekannten menschen. er hatte immer angst, sie anzustarren. schlimmer noch war es, angestarrt zu werden. auch angelächelt werden konnte schlimm sein – die, die frank anlächelten gefielen ihm ungefähr nie. zu breite frauen mit zu breitem grinsen, die, wenn sie was sagen würden wohl zu laute, unangenehme stimmen hätten. oder zu junge mädchen. oder oder oder. heute ging es zum glück, ein alter bärtiger mann – frank musste spontan an den späten saddam hussein denken – mit bierfahne und riesigen ohren, der beflissen auf seine füße sah, die in gar nicht mal so gammligen schuhen steckten, verglichen mit der von flecken übersähten cordhose. er summte „freude schöner götterfunken“ – aber frank hatte nur ohren für seine musik.

„she was all right but she can’t come out tonight she broke away“

es steigt mir in den kopf, dachte frank. das lied. das wetter. dieser biergeruch. er hatte sich seit 4 tagen von alkohol fernhalten können, trotz kneipe. ihm war schlecht. noch eine, nein zwei haltestellen, dachte frank. der bus fuhr an der ersten vorbei, ohne zu halten. „puh.“ frank atmete auf.

„stella
oh stella!
stella I love you!“

vielleicht sollte er eine haltestelle früher aussteigen? an der berufsschule wurde es immer so voll. nein. niesel bedeckte die scheiben. er musste durchhalten. der alte mann stieg aus, mühsam, tapsend, der bierdunst war weg. drei südländisch aussehende junge frauen setzten sich zu frank, hübsch, schöne augen, aber billiges parfüm und wohl auch schlechte musik.
er fühlte sich eingeengt, beobachtet.

„well she was my catatonic sex toy, love-joy diver“

was wohl „catatonic“ heißt?, dachte frank, egal, die ampel ist rot, hinter der ampel kann ich diese fahrende hölle verlassen. der bus hatte gehalten, frank bewegte sich zur tür. er blickte nicht zurück, stand wie ein skater im anfahrenden bus ohne sich festzuhalten, ohne es wirklich wahrzunehmen. blind. gefühllos. nur hörend.

an der uni angekommen stieg er aus.

„try to detect you when i’m sleeping
in a wave you say goodbye.“

es regnete, und wie fast immer hatte frank keinen regenschirm dabei. er rannte in die mensa – mit letzter kraft.


kursivtext: „stella was a diver and she was always down“ von interpol, länge der albumversion: 6 minuten 24 sekunden.

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