im zimmer und in der dusche

als frank seine zimmertür aufschloss, war er sich sicher wie selten: dieser abend war einfach mist.
er hatte sich verliebt, unvorsichtig, auch wenn er sonst seinen geistigen keuschheitsgürtel fest umgebunden hatte. manchmal half eben nichts, das gefühl war stärker als alles – auch wenn er es nicht wollte. jetzt gerade fühlte er sich hundselend: er wusste nicht was er tun sollte. frank war nicht der große tänzer, eher das gegenteil. und tom, eigentlich ein guter kumpel, tom das arschloch, griff gerade die ab, die frank liebte, blind wie er war.

jetzt saß frank bei sich zu hause, es war spät, nein: früh, wurde gerade hell. die dreisten vögel zwitscherten, als gäbe es kein leid auf der welt. er würde noch am meer spazieren gehen, in einer knappen viertelstunde, vorher aber müsste er noch duschen. er fühlte sich schmutzig. es war der ekel vorm leben, der in ihm nach langer zeit wieder tobte, der ekel vor einem leben, das aus einem warmen, schleimigen akt mit schweißgeruch entstand und nach seinem ende vermoderte wie altes gemüse. plötzlich marschierten leichen mit grünspanigen fingern und gammligen gesichtern durch seinen kopf und schrien: stella liebt tom. stella liebt tom. stella liebt tom. hohläugig liefen sie umher, lebendiger als zombies in zombiefilmen, einige von ihnen waren schon sehr skelletiert. sie marschierten rhythmisch, geradezu mitreißend, und der offensichtliche anführer und taktgeber der leichen nahm hin und wieder seinen kopf in seine grüne, knochige hand, zum ersten schlag, um ihn dann wieder auf den hals zu setzen.

die dusche tat frank gut. das wasser war reichlich und warm. eigentlich achtete frank auf den wasserverbrauch, aber jetzt duschte er eine zeit, die ihm lang vorkam. sehr lang. er dachte nach. am abend, als das mit tom und stella angefangen hatte, da hatte er mit asa gesprochen, die er flüchtig kannte und die versuchte beppo zu trösten, der ein ähnliches leid hatte. beppo hatte stella zum essen eingeladen und sie hatte verpennt. stella hatte gesagt: „beppo erinnert mich zu sehr an meinen exfreund.“ aber das war egal, das war nur die situation. irgendwie hatte frank zu asa gesagt, dass er sich nicht verliebe, wenn er sich nicht gestatte: es würde ihn sonst umbringen, genauer: er würde sich umbringen, da er maßlos sei. als er gesagt hatte, dass er sich nicht verliebe, hatte er gespürt, dass das nicht wahr war.

als er nach dem abtrocknen. mit dem gefühl, dass eine halbe stunde vergangen sei, auf die uhr sah, waren sieben minuten vergangen.

frank zog sich an und ging ans meer. als er seine zimmertür [doppelt!] abschloss, waren exakt 15 minuten vergangen.

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3 Antworten zu “im zimmer und in der dusche

  1. Stella liebt Frank! Frank muss es nur noch bemerken….

  2. Ach so, Frank sollte die Wahrheit sagen, dann ist er eine Last los…

  3. eskapismus

    mal sehen ob ich frank erreichen kann, um ihm diese (rat)schläge weiterzugeben, herr mo.

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