der schwur

es war november. es war kalt draußen. der wind wehte straff. wenn es dunkel war, war es noch kälter und die tage waren kurz.

das alles störte mich aber in dem moment, in dem diese geschichte beginnt, wenig, denn ich lag in meinem zimmer. mit der kälte hatte ich also kein unlösbares problem, der wind rüttelte zwar an meinem fenster, aber auch das störte mich nicht besonders.
es ging mir dreckig. ich konnte mich kaum bewegen. mein kopf tat weh. mir war schlecht. speiübel.

vom abend zu vor flimmerten nur noch fetzen durch meinen kopf. ich sah auf mein handy – 11 uhr. vormittag. wie war ich nur nach hause gekommen? ich erinnerte mich, irgendwann in der nacht, auf der partymeile der stadt an der ostsee, in der ich lebte, auf’s handy gesehen zu haben, genau wie in diesem moment. es war eine eins vorne gewesen, die ziffern hinter dieser hatte schon ich vergessen, bevor ich das gerät wirklich zugeklappt hatte.
es ging mir elendig. ich hatte keine lust zu bleiben. die leute, auf die ich hier wartete, wollten den club nicht mehr verlassen, wie es schien, auch wenn es nur um einen schlüssel ging, der vor genau einer woche hier verloren gegangen war. und ich wollte nicht rein. der laden war zu voll und ich war zu voll für den laden. woran auch ich immer ich das bemerkte, ich war mir hundertprozentig sicher, dass es keine gute idee war, dort herein zu gehen. und weitergehen, dorthin, wo wir eigentlich wollten? bergab, am see vorbei, der die altstadt umrandete?

nein, auch kein guter plan. was sollte ich dort alleine, ich kannte dort niemanden in dem laden und bei meinem zustand… nein. definitiv keine gute idee. aber hier stehenbleiben? nein. auch nicht: die straße hatte eine gewisse ähnlichkeit mit einem windkanal – vermutlich war im stammbaum dieser straße vor ein paar generationen mal ein windkanal dazwischen gewesen. auf deutsch: ich fror. und zwar nicht zu knapp.

aber jetzt lag ich ja im bett. genauer: ich krümmte mich. versuchte irgendeine haltung zu finden, in der mir nicht ganz so übel war. und dann diese kopfschmerzen. wobei: ich hatte ja diese magnesium-brausetabletten. die würden helfen. und sonst acetylsalicylsäure. nur wasser fehlte, ich würde wohl oder übel den wasserhahn in der küche anzapfen müssen, alles andere würde wohl nicht helfen.

ich stand also wankend auf und schaffte es irgendwie, mir meinen grauen bademantel anzuziehen, den ich stets trug, wenn ich keine lust hatte, mich richtig anzuziehen, oder es wie jetzt gerade einfach nicht schaffte. der weg in die küche war nicht weit und die wände des flurs halfen mir sehr. zum glück war gerade niemand in der ausnahmsweise ordentlichen wohnheimküche. ich musste mich aufstützen, während ich wasser in die flasche füllte. verdammt. was hatte ich nur gemacht?

ich war dann einfach gegangen. der kälte wegen. ich merkte, dass ich nicht mehr ohne probleme geradeaus laufen konnte, aber ich zwang mich. den weg fand ich, ich hätte ihn aber vermutlich auch mit verbundenen augen gefunden.

der weg zurück in mein zimmer war schon abenteuerlicher. linke wand, rechte wand. tür auf. hinlegen. krabbeln, um eine magnesiumbrausetablette zu holen. dann diese in die wasserflasche.

etwas später waren immerhin die kopfschmerzen weg. speiübel war mir immer noch. ich krümmte mich auf meinem bett mithilfe der bettdecke in eine position, in der es halbwegs erträglich war. ich versuchte zu schlafen, es klappte auch für eine gefühlte halbe stunde.

als ich wieder aufwachte, war mir plötzlich klar, warum es mir so schlecht ging. dieser fusel. ich schwor mir nie wieder billigen alkohol zu trinken. denn dieser verdammte 54er rum für 7,90 beim supermarkt gegenüber und der vodka der eigenmarke jenes supermarktes mussten mich so getötet haben: an den 3 bieren, die ich zuvor getrunken hatte, konnte dieser Katastrophenzustand nicht liegen.

als ich um halb zwei aufstehen wollte, um mal im internet zu surfen, schaffte ich es sogar, meinen pc anzuschalten – das war es dann aber auch. der drang mich zu übergeben war plötzlich exorbitant.

die toilettenschüssel nahm mein magnesiumbrausewasser gut auf. ekelhaft. kurz dachte ich, ich würde sterben, hier auf der toilette.

als ich mich wieder ins bett legte, fühlte ich mich so, als müsste ich sterben. es war mittlerweile 15 uhr, ich war, von kurzen unterbrechungen seit 4 stunden wach. bis auf die zum glück verschwundenen kopfschmerzen ging es mir immer noch genau so schlecht, wie um 11. hörte das denn nie auf? würde ich jemals wieder in der lage sein, einen klaren gedanken zu fassen, oder hatte ich dazu zu viel klaren gehabt?

trinken wollte ich nichts mehr, schlafen konnte ich nicht und außer, dass mir schlecht war, war mit mir nichts los.

die zeit stand still. zuletzt hatte die zeit so still gestanden, als ich im grundschulalter am heiligabend auf die bescherung gewartet hatte. schöne bescherung.

nach gefühlten drei jahrhunderten fühlte ich mich sicher genug um mich unter die dusche zu stellen.

weitere dreissig minuten später war ich einigermaßen wiederhergestellt.

ich schwor mir, nie wieder billigen fusel zu trinken.

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