realpolitik

1. akt, 2. szene

es ist nacht. zwei betrunkene kommen von einem nahegelegenen jahrmarkt, dessen musik man hört, von dem man aber nichts sieht. es ist kurlemann, ein wohlangesehener manager in frack und mit regenschirm, und knarz, philosoph, ein freund aus vorheriger jugendzeit. ein disput.

kurlemann: hör´mir auf mit deiner moral. du weißt genauso gut wie ich, dass es in der welt um nichts weniger geht als moral. das ist die moral der geschichte. punkt.
knarz: nein. nein. nein. es geht nicht darum, wie es ist, sondern wie es sein sollte.
kurlemann: nun gut, wenn es danach ginge, hätte jeder sein eigenes luftschloss. überall wäre frieden und ich wäre arbeitslos. hör´ doch auf. ich bin der sklave meiner zahlen. und wenn ich mit lieferungen in den kongo bessere zahlen bekommen kann, dann habe ich verdammt noch mal keine wahl.
knarz: du weißt selbst, dass das nicht stimmt. du könntest auch für ein vernünftiges unternehmen arbeiten. bei deinem erfolg müsste es doch anfragen geben.
kurlemann: da hast du ausnahmsweise recht. im gegensatz zu dir bin ich nachgefragt. aber ich würde weniger verdienen, nach allen bisherigen angeboten. und du weißt selbst, was für ein biest meine frau ist. und außerdem: ich bin ich. ich muss niemand folgen. denn mein selbst ist unabhängig, in der theorie. die praxis kennst du selbst. (fällt auf die knie, rücken zum publikum)
diese welt ist so ein verhurrter drecksladen. aber eine bessere ist nicht machbar.
knarz (ruhig): werd mal nicht pathetisch. das ist mein job. und steh auf, du kniest in einer pfütze.
(beide ab.)

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