resignation

ich war mal anders, als ich bin. ich war mal strikter. strikter dagegen. ich war punk, mein lebensinhalt war protest und krawall, mein gesicht war eine verzerrte fresse, ich hasste alles und jeden, das sich mir in irgendeiner hinsicht wider mein willen aufdrängte. und das war(en) viel(e). fast alle(s).

auch jetzt besitze ich ihn noch, diesen kampfanzug. aber er hängt in fetzen, wenn ich ihn trage lacht man über mich. nicht, dass mich das stören würde. bloß weil diese gesamte welt – oder zumindestens der ganze mir bekannte teil + x – ihrem äußerem mehr aufmerksamkeit zubilligt als den innerereien (es sei denn, man siecht dahin und glaubt den unverdienten tod vor augen zu haben, der aber meist nicht mehr als ein kleiner husten ist), und diese maßstäbe an alles ansetzt, was die hühneraugen erblicken, heißt das nicht, dass ich mich daran richten müsste: „Millionen Fliegen fressen Scheiße und sie können sich nicht irren!“..

aber das leben ist nun mal kein wunschkonzert. du kannst nicht der einsame rufer in der konsumwüste sein und erwarten, dass dir „Freak“ jemand zuhört. denn die konsumsüchtigen denken nur an ihre tägliche droge: „Vater unser im Himmel, lass uns heute die Fernsehserie gucken und lass darin Mario endlich Princess n*g*ln. Gib uns die neuesten Klamotten, die beste Hardware, das tollste Handy, den neuesten Duft, Geld für Frisur und Pediküre und immer wieder neue Freunde, die so dumm sind wie wir selbst und immer für Party mit hirnloser Musik, die unsere übermalten Gliedmaßen so schön zucken lässt, zu haben sind. Denn dein ist das Geld und der Konsum und die Welt und die Ewigkeit. Amen.“

nein, es hört dir niemand zu. das grundrauschen zu übertönen wird deine stimme heiser machen, ruinieren und wenn dir jemand zuhört, so dann nur weil du etwas bist, was man eher selten konsumiert. so zur abwechslung. eine weitere werbung für ein besseres leben, eben mal an die seele und das dörrobst im kopfe appelierend und nicht nur an magen und arsch und schwanz.

das schlimmste aber sind die verständnisvollen, die nicht verstehen. um die zu nennen, die dir auch zuhören, vielleicht sogar länger als andere, die, die relativieren, die deine worte 250 mal den weichspülgang laufen lassen um schlussendlich einer verzerrung dessen, was du sagtest und meintest, zuzustimmen, die dem gegenteil näher ist als deiner meinung. deren wächsernes, hohles lächeln du bei allem scharfsinn eventuell nur nach langer zeit durchschaust – weil du so sehr hoffst, dass du nicht gänzlich unverstanden bist. wo du nichts für kannst, es ist eben das verdammte wesen in dir. „Existenz ist ein überholtes Konzept“, wohl war, was passt schon so schlecht zusammen wie „Körper und Geist“?

du wirst zerreißen, über kurz oder lang, zumindestens hat es mich zerrissen. innerlich. äußerlich nicht. und es reißt jeden tag weiter, du kannst den 8-köpfigen drachen nicht entkommen, auch wenn du den weg gehst, den ich versuche. äußere assimilation und inneres exil, exzessiver eskapismus und reale konsumflucht – es geht oft nicht mit letzter konsequenz.

aber letztlich ist es egal, das ist das einzig gute. du musst nicht ewig leben, deine tage sind von anfang an gezählt, trotz aller lebenserhaltenden maßnahmen. du kannst gehen wann du willst. ich habe noch immer nicht genug, ich scheine trotz dieser klage zäh genug zu sein, meiner feigheit zu widerstehen. aber ist es feigheit? was ist feigheit? wer definiert das? und überhaupt: muss man sich beugen? nein. nie. nur dem tod, wenn er unausweichlich geworden ist, aus körperlichen gründen.

„Niemals aufgeben, Alter!“

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Eine Antwort zu “resignation

  1. der letzte satz ist ein zitat des ehrwürdigen säufers und philosophen dimitri m., kurz nach diesen worten lag er im krankenhaus mit ner pumpe im magen. ^^

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