erinnerungen des herrn d. (4)

vor einiger zeit, als herr d. noch nicht zum eskapismus durchgedrungen war, sondern noch den ganzen tag in der grausamen realität fristete, sich stets fragen, was dieser ganze zirkus denn solle, dieses ewige angst-haben, dass von heute auf morgen die persönliche welt nicht nur ziemlich scheiße, sondern total scheiße sei, trank er zu viel alkohol. er trank nur alleine, er trank nur rotwein und cointreau und dabei hörte er jazz. wenn er in gesellschaft war, trank er nichts, wozu, denn er war ja nicht allein und trotz der ganzen schlechtigkeit der welt nicht so traurig und verlassen wie sonst.

alleine trinken, das wusste er, das war nicht gut. so war zumindestens die landläufige meinung, aber landläufige meinung war auch, dass kommunismus aus prinzip schlecht sei, eine ansicht, die voll und ganz zu teilen herr d. nicht bereit war.

da er nicht zum arzt ging, da er ärzte zutiefst verachtete, mehr als alles andere, mehr als faschisten und schlagerstars, fiel es niemand auf.

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