Eisbach

In der zweiten Hälfte seiner Abendrunde durchquert P. durch den Englischen Garten, in der Hand ein Bier, denn irgendwann müssen diese Wochenenden, die in großen Teilen aus dem Versuch geistiger Arbeit bestehen, ja auch Wochenenden sein. Es wird dunkel, die Sonne ist schon hinter den Häusern der Stadt im Westen in den Horizont gefallen, aber noch wird der Monopteros leicht angestrahlt. P. bleibt stehen und macht ein Foto, das Gras liegt grün und ziemlich leer in Dämmerung – vor fünf Stunden war es hier noch deutlich voller, um den Eisbach eine Handtuchdichte als handele es sich um einen Badestrand im Sommer. Nachdem er den Eisbach überquert hat, folgt er ihm auf dem östlichen Ufer in nördlicher Richtung. Menschen sitzen friedlich da. Ein Hund springt ins Wasser. Sein hübsches Frauchen (im Bikini) folgt ihm wenig später. Zwei Schülerinnen oder Studentinnen (P. ist mittlerweile zu alt, um die Alter von Frauen unter 25 sicher einschätzen zu können) versuchen Federball zu spielen, sehen aber, obwohl es fast Vollmond ist, das Spielgerät nicht. P. denkt: Wie schön wäre es, ein Hund zu sein. Nicht so viel nachdenken. Nur im Moment leben. No future, no past. Nur der Moment. Weiterlesen

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lernt man eigentlich dazu?

„Was lernst du eigentlich dazu?“ fragt sich P. P., der immer noch studiert, viel zu lang, weil er nicht aufgeben mag und die Sturheit die Faulheit in der langen Frist besiegt. P. der weiß, dass er nicht wirklich irgendetwas plant, sondern eher sich eine Zukunft samt Schritten dahin zusammentagträumt, ohne einen nennenswerten reality check vor der Implementierung seiner Pläne durchzuführen, da dieser Schritt irgendwann einmal (oder zweimal?) die Folge hatte, dass er sich in Micromanagement verrannt hat. Weiterlesen

zeit für neue themen (und charaktere)

auch wenn frank experimentell wiederbelebt wurde, um umstandsarm ein erzählvehikel für eine persönlich wichtige geschichte nutzen zu können, denkt der verfasser dieser zeilen bereits seit geraumer zeit darüber nach, was es bräuchte, um dieses etwas, welches sich fremdwortverkleidet „realitätsflucht“ nennt dafür auszustatten, über politik zu reden.

denn es wird nicht besser in d-land. nehmen wir frank, den wir – das schreibe ich ohne prüfung und bei ungenauer erinnerung an das gros der texte über ihn – als pessimisten beschreben können, noch einmal als alter ego und setzen ihn einer realität aus, in der folgendes geschieht: er betrachte die situation und versuche sich, die zukunft zu extrapolieren, um dann festzustellen, wiederholt, dass es mehr oder weniger immer so kommt, wie er, sich dabei einer pessimistischen, düsteren haltung bewusst, es sich ausgemalt hat.

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frank und mitschuld

man stelle sich vor, dass frank nicht gestorben wäre. er wäre nun älter, gesetzter, fetter, faltiger (besonders um die augen), mit rückgängigem haupthaar und einer mageren bürgerlichen existenz gesegnet. diese stellt ihn nicht nur als ehemaligen „möchtegern-antibürgerlichen“ vor existenzbewertungsschwierigkeiten, sondern ist auch sonst mit problemen behaftet.

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bruder

bruder, was tust du? bruder,
hältst du das für richtig, ehrlich?
hör auf damit, bester bruder,
glaub mir das ist sehr gefährlich!

doch bruder, der mehr als bro
auf Jagd nach einem ideal
verstopft das ohr mit kau-
gummi mithilfe eines lineals

die mutter spricht: iss doch
der bruder schreit: nein, nicht das
die mutter, seufzend „och“
bruder frisst nur seinen fraß

der bruder läuft, der bruder übt
der bruder trainiert, er aufbaut
muskeln. das ich, einmal nicht lügt:
wenn nicht aufhört, ich draufhaut!

bruder in schule: schreibt mies wie nie
mutter sehr besorgt, ruft ich an
fährt norderney mit papa-zombie
ich hört zu, verzweifelt dran

jahresanfangsüberschwangsmüdigkeit

ich wünschte, ich hätte eine redakteurin und eine direktorin für continuity. dann wären meine texte nicht nur fehlerärmer, man frägte mich nicht nur, ob ein sprachliches bild absichtlich so schief sei, sondern ich könnte nach einem kurzen telefonat wieder einen text über vergangene figuren schreiben, etwa herrn d.

in der letzten nacht, in der ich plötzlich mit trockener kehle erwachte, aufstand, eine idee zur reformierung des krankenkassensystems in mein handy daumte, musste ich, bevor ich dann endlich schlafen konnte, über herrn d. nachdenken. wie würde herr d. das alles sehen, diese realität mit allmächtigen geheimdiensten, cryptokalypsen, ist-peggy-da und dem ganzen sonstigem rotz?

aber ich kann das nicht tun. wenn ich beginne, einen alten text zu lesen, dann muss ich erstmal zum virtuellen rotstift greifen. dies ist falsch, das ist schief und wenn ich diesen satz hier ändere, dann muss der ganze absatz überdacht werden, und zwar nicht mit wellblech. es ist wohl eine berufskrankheit, diese nicht-akzeptanz des eigenen vor-sich-hin-stolperns-und-stümperns.

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dafür kann ich eine menge tun, in bereichen, mit denen ich eigentlich nichts zu tun habe. ich habe heute einen vermurksten autoradio-einbau korrigiert. ich habe begonnen, mich wieder mit lustigem webprogrammierungskram zu befassen. ich muss das tun, denn ich kann gerade noch nicht wieder voll in diese pseudowissenschaft einsteigen, diese verideologisierte murkskacke, die ich seit 2nd half Q3 2006 betreibe und die so mies ist, dass sie nicht geschafft hat, mich in diesem langen zeitraum vollkommen zu zerstören. und nichtstun, das geht auch nicht. es ist 2020 – 5, und das ist ein ungerades jahr, und in ungeraden jahren habe ich deutlich mehr energie denen, bei denen bei der division durch 2 teilen kein modulo bleibt.

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ich stelle mir vor, ich wäre max frisch und schriebe „mein name sei gantenbein“, aber anders, in der wendezeit, und gantenbein ist nicht gantenbein, der beschließt, ein sehender blinder zu werden, sondern gantenbein ist dr. a. merkel, geb. kassner, und tut so, als würde sie sich für politik interessieren. aber ich kann nicht, trotz aller vorsätze. „p., schreib dieses jahr jeden tag.“ ja. aber diesen „gantenbein“ zu schreiben, mit aller hintergrundrecherche, mit allem storybuilding, das habe ich nicht in mir. mir fehlt es am biss, an der kontinuität. spätestens in vier tagen hätte ich eine idee, die mir noch vielversprechender und vor allem dringender erscheinen würde. ich weiß es, so war es immer; vor allem will ich nicht noch ein mieses fragment erzeugen.

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und dann ist da eskapismus insgesamt. nach wie vor frage ich mich, was realitätsflucht eigentlich sein soll, denn was ist realität, und was ist flucht? braucht es zur klaren unterscheidung da nicht die annahme, es gäbe eine begrenzte anzahl von oder gar eine übergeordnete realität? eine, die sozusagen alternativlos ist? (kassner, verschwinde!)

jz ist schuld, sie musste diese frage aufwerfen, unbeabsichtigt, so hoffe ich doch. schundige zeitschriften (wie sie der kulturpessimist in mir nennen würde, der volksmund (das alte schandmaul!) spricht von unterhaltungszeitschriften oder illustrierten (trotz wenig erleuchtung!)), seien für sie eskapismus. „realitätsflucht!“ rief ich fast zu laut aus, was auf einem öpnv-bahnsteig seltsam wirken kann, um dann leiser hinzuzufügen: „damit habe ich erfahrungen.“ im folgenden stellte sich mein wesenszug, mich in unklaren, nebulös-ironischen andeutungen auszudrücken, ausnahmsweise mal als hilfreich dar. man stelle sich vor, ich hätte personen meiner realität, die in ihrer lächerlichkeit meines erachtens auch als realitätsflucht angesehen werden kann, von meiner niedergeschriebenen… undenkbar!

wie ist es also? was ist richtig? ist es wichtig? nein.

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das heiße, plastikkapseln und wasser entstammende getränk, welches mit dem kompositum chococino benannt ist, beruhigt meine nerven und lässt mich den obigen absatz antwortlos abschließen. die müdigkeit, die mir mangels relativer sorglosigkeit trotz langer jahresend-anfangspause geblieben ist, wird weichen, magisch, plötzlich; wie sich der nebel über der stadt lüftet; eben hat man noch aus dem fenster gesehen, nichts gesehen als schemen, und dann, auf einmal, helle sonnenstrahlen; licht durchflutet den raum.

p.s.:

mit d sprach ich heute über die firma, die meinen stadtteil in dieser stadt mit dem vertikal gespiegelten w einst so dominierte, die nach einem werner von benannt hatte, und gewissermaßen bis heute ordentlich kesselt. man hat sich dort im verwaltungshochhaus mit asbest verkrebst und sich entschlossen, dieses lästige geschäft mit den furchtbaren endkunden sukzessive „auszugliedern“ und wundert sich seitdem über stagnierende aktien und sinkenden markenwert. wer hätte das nur erwarten können? nein? – doch! – oh!

 

oktober/november oder theorien, praktiken und ohnmacht

oktober/november oder: theorien, praktiken und ohnmacht

ich weiß nicht, was ich denken soll. ich weiß nicht, was ich sagen soll. ich bin ruhig oder auch nicht. ich bin müde, aber mir fehlt die ruhe zum schlafen.

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derweil machen sich andere menschen, mit denen ich verwandt bin, sorgen um einen menschen, der ebenfalls von ihnen abstammt. ich fahre hin, sobald ich es einrichten kann, trotz bahnstreik mit einhergehender medienpanikmache und vor allem medienhetze. nein, es darf nicht sein, dass lokführer mehr verdienen wollen als ~3000 euro, mit denen sie maximal nach drölfzehntausend betriebsjahren entlohnt werden – denn wenn sie anfangen, kriegen sie mal gerade 1750 brutto für vollzeit. da „verdiene“ ich mehr als talentloser teilzeitspacko. aber gut, vielleicht kriegen die berufsmäßigen (hetz-) schriftstückverfasser selbst noch weniger. wer weiß. aber darum geht es ja nicht, ich schweife ab, entschuldigung! jedenfalls, so die these, sei jener mensch, um den sich andere menschen sorgen, mit denen ich allen eng verwandt bin, beängstigend dünn. und ja, das stimmt; er erfüllt die definition von untergewicht. ich habe das auch mal getan, mittlerweile bin ich aber auf dem weg zum übergewicht meiner biologischen wurzeln. yeah. oder eher: F***. Weiterlesen