[kein titel] – “einleitung”
die wut verschwand irgendwann. ich kann mir bis heute nicht erklären, warum – plötzlich war einfach keine wut mehr da und ich war, wie ich immer dann sah, wenn ich es schaffte, meinen eigenen körper zu verlassen, nur ein farbloses abbild meiner selbst, als hätte da jemand am farbsättingungsregler gedreht. kleiner war ich auch geworden, unauffälliger, kaum noch fassbar, ein diffuser rest. jedenfalls erschien es mir so. andere sahen das anders, ein guter freund fragte, ob ich nun kreide fräße, oder irgendein medikament nehmen würde, ich hätte mich verändert. neutral, nicht positiv oder negativ, wurde mir versichert, während ich mich fragte, ob dieses furchtbare gefühl, weniger energie zu haben, vielleicht doch irgendwann wieder vorbeigehen würde – immer öfter ertappte ich mich dabei, wie ich stundenlang einfach nichts tat. ich saß dann auf meinem stuhl oder lag auf meinem bild und schaute nach löchern in der luft, ohne dabei fündig zu werden. ein gefühl des misserfolges, oder gar eine wut darüber, die mich belebt hätte, trat nicht ein. die lethargie schien triumphiert zu haben.
so vergingen wochen und monate, in denen ich mehr und mehr feststellte, dass mich meine eigenen gedanken selbst nicht mehr interessierten, mein eigenes schicksal mir so egal war wie irgendein beliebiges in den fernsehsendungen, mit denen ich nun ein zuvor unvorstellbares zeitkontingent verbrachte, im sessel hängend und nicht wirklich aufmerksam dem gebotenen, höchstwahrscheinlich ohnehin vernachlässigbarem inhalt, folgend.
alles schwand, alles schwindet. der text, den ich gestern angefangen habe, gefällt mir nach null uhr plötzlich gar nicht mehr, erscheint nutzlos, sinnentleert und überflüssig, pathetisch, gekünstelt und übereifrig. manchmal kann man dann doch noch weiterschreiben, manchmal nicht. das hier sind solche fragmente, bei denen ich die hoffnung aufgegeben habe – auch wenn das nicht bedeutet, dass ich mich ihnen nie mehr annehme.
Weiterlesen