Archiv der Kategorie: hauptsachen

[ohne titel]

seit frühester kindheit besteht mein leben daraus, menschen zu beobachten. das ist so weit ganz normal, nehme ich an, auch wenn ich das natürlich nicht abschließend beurteilen kann, denn über das beobachten rede ich nur höchst selten mit anderen menschen. gespräche über das beobachten und das was man daraus zieht kann ich nur in meiner phantasie führen, jedenfalls wenn es offensichtlich um das “beobachten” als solches gehen soll. natürlich unterhält man sich über die resultate von beobachtungen, man gibt einschätzungen von sich, die gelegentlich wertschätzungen darstellen.
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existenz 2

[nicht glücklich mit diesen zeilen, aber kann nicht weiter daran arbeiten, blockiert. weiter unten findet sich die erste variante, die ich verwarf, um am 24.03 den mist zu verzapfen, der jetzt beginnt:]

es gibt diese tage, an denen du keinen papagei auf deiner schulter hast, der immer wieder krächzt “alles wird gut”. tage, an denen dir die suppe aus den augen läuft, ohne erkennbaren grund, aber auch nicht einfach so.
tage, an denen dir danach ist, ein requiem auf deine verschissene existenz zu schreiben, einen einzigen pompösen abgesang, ein in worte gegossenes feuerwerk, welches alles verbrennt, das war und dir so eine wiedergeburt beschert, ein neues leben, ein leben ohne geschichte.
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existenz

ich habe das rettungsboot aufgegeben und kann keine rettungsflaschenpost mehr versenden, da ich die ganzen flaschen in die felsigen klippen dieser einsamen insel geschmissen habe. was soll ich auch jetzt wieder trinken, dachte ich mir, nicht dass ich dann hinterher die zwölf härtesten schritte der zivilisierten lügengesellschaft gehen muss, falls ich mal wieder dorthin zurück finden sollte.

meine tage hier sind düster, die nächte sind finster – ich friere beim bad in heißen quellen und in der größten tropenhitze schwitze ich keinen tropfen und kann mich noch nicht mal cool dabei fühlen, da niemand hier ist und mir niemand diese wahren geschichten glauben wird, wenn ich doch noch mal die gelegenheit haben sollte, ein gutes garn an einem guten abend in guter gesellschaft zu spinnen. Weiterlesen

geh nicht in bars, wenn du tot bist

vor jahren, als ich noch fleißiger musik hörte, amüsierte ich mich köstlich über die liedtexte der deutschen band “die ärzte”. in einem ihrer lieder heißt es: “wenn in der hölle kein platz mehr ist [...] kommen die toten auf die erde zurück”, eine (wie ich damals noch nicht bemerkte) hommage an den werbe- und horrorfilmemacher george a. romero, die mich einfach nur köstlich amüsierte.

seit gestern aber, und darüber will ich, nein, muss ich hier schreiben – auch wenn der horrorfilm als eskapistische weltdarstellung ein interessantes thema wäre – frage ich mich, ob das wirklich so witzig ist. seit letzter nacht, in der ich schweißgebadet erwachte, ohne dass mir etwas im traum zugestoßen wäre – es war einer dieser geisterträume, in denen ich ohne erkennbare physische existenz andere menschen beobachte – kann ich mir vorstellen, dass es eine schlimmere hölle sein kann, wieder auf die erde zurückgeschickt zu werden. Weiterlesen

ich

mein eskapismus hat mich weit getrieben, ich lebe niemals dort, wo ich mich aufhalte, ich frage mich fast, ob ich das jemals getan habe und kann die frage immer erst beantworten, wenn mir eingefallen ist, dass ich die glücklichen phasen meines lebens, in denen das nicht so war, erfolgreich verdrängt habe. ich träume von telefonaten mit menschen, die ich jahre nicht gesehen habe und die ich damals nicht mochte und drücke nicht immer den rufannahmeknopf wenn die gegenwart anruft. ich denke über kochen nach, aber mache höchstens mal nudeln. ich plane, bilder zu malen und bemale nur gelegentlich mal telefonzettel mit einem kugelschreiber.
ich hoffe, nicht zu scheitern, aber mache kaum etwas, das ein scheitern verhindern könnte.
jedes zweite mal, wenn ich alkohol getrunken habe, fährt mir am nächsten morgen der gedanke durchs katzenjammernde hirn, doch nie wieder alkohol zu trinken. ich nehme mir vor, kontakt zu halten, schreibe tatsächlich ein paar sätze, die mir dann aber nicht gefallen, so dass ich sie nicht abschicke, bis ich vergessen habe, dass ich sie jemals schrieb – anrufen kann ich nicht, weil ich niemanden stören möchte, und ich (gefühlt) immer nur dann angerufen werde, wenn es mich gerade nervt. ich nehme mir vor, ehrlich meine “notizen über den tag” zu schreiben, aber wenn ich dann über das “ehrlich” nachdenke, schreibe ich lieber gar nichts. ich überlege, eine geschichte zu schreiben, in der ein samenspender zufällig eine frau kennenlernt, die, wie sich dann herausstellt, sein kind hat – eine geschichte, so kitschig und witzig, dass es ein til schweiger-film sein könnte – schreibe aber nur die idee in stichworten auf und arbeite danach an einem weiteren “szene” text, der widerum nicht zu den vorhergehenden passt. Weiterlesen

spazieren laufen sinnieren beißen

frank kommt nicht wieder, ich bin noch da und werde es noch lange sein. ich wanke durch die verschneite dunkelheit, allein und die zivilisation will nicht verschwinden, sie haben alle fröhliche spuren im schnee hinterlassen. auch die verdammten straßenlampen sind einfach zu viele und zu weit entfernt um sie auszutreten um endlich nur das licht des mondes zu sehen, der in einer schmalen sichel wie ein augenloser smiley eine komische fratze von himmel durch die beschneiten, halb erfrorenen äste der hohen bäume zeigt. die tiere sind nicht unruhig, ich scheine nur ein schatten zu sein, der durch ihr territorium schreitet – vielleicht sind sie auch einfach zu domestiziert, die ganzen fütternden kinderhände und die nur sich selbst jagenden jogger sind schuld.
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last return

er ist gegangen. frank ist gegangen. er hat einen brief hinterlassen, neben seinem stranguliertem, toten körper:
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lemminge und adrenalin

ich kann nicht schlafen. wann immer ich die augen schließe, sehe ich ein lemmingstadion vor mir, eine schüssel grauer sichtbeton, mehr bochum als allianz, in dem der lemmingeinpeitscherlemming mit dem megaphon skandiert: gebt mir ein s! gebt mir ein e! gebt mir ein l! [...] gebt mir ein o! gebt mir ein r! gebt mir ein d! was gibt das?

*

ob lemminge wirklich ahnen, was sie da tun, weiß ich nicht genau und offen gestanden habe ich auch kaum ahnung von lemmingen, ich weiß nicht genau, wo diese leben und wie, selbst das spiel lemmings habe ich ewigkeiten nicht mehr gespielt. das hindert mich aber nicht am formulieren steiler thesen. irgendwann habe ich mal verlauten lassen (und mir dabei unglücklicherweise sogar gemerkt), dass es vermutlich so sei, dass die lemminge ins wasser stürzten von klippen, um dann nach einer langen, beschwerlichen reise als pinguine auf antarctica zu leben. ich hätte genau so gut behaupten können, die lemminge stürzten sich in tod aus trauer darüber, das atlantis untergegangen sei.

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lemminge begehen natürlich keine geplanten massenselbstmorde, nur bei den völkerwanderungen, die durch entstehende überpopulationen zustande kommen, sterben sehr viele dieser kleinen tiere.

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völkerwanderungen sind auch aus der menschheitsgeschichte bekannt, es gibt sie bis heute. aber durch großen reichtum und technologie hält sich die festung europa bislang ganz gut. der druck wird steigen, und europa, letztlich weltpolitisch gesehen ein krankes wesen, wird nicht standhalten. es wird irgendwann als asiatisches anhängsel betrachtet werden, ja, vielleicht wird man irgendwann auf das heutige europa ähnlich herabschauen wie auf inka oder azteken. fraglich nur, ob außer den bunkern der kriege und ein paar allzu robusten, abgelegenen autobahnbrücken viele bauwerke übrig bleiben. wenn aber dann die pyramiden noch stehen, so wird man die bauleistungen der ägypter höher einschätzen als die der “stahlbetonvölker”.
und dann haben wir es hier mit einem wettrennen der anderen art zu tun: geht erst europa nieder oder wird die erde zuvor unbewohnbar?

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bei all der schwarzseherei werde ich auch diese phase durchstehen, ich weiß es. sollte ich jemals zu geld kommen, werde ich mir irgend so ein teures hobby suchen, etwa fliegen oder schnelle autos. ein wenig blackjack gegen den tod sollte in keiner karriere fehlen. adrenalin ist alles.

zweihundert und fünfundzwanzig

ich setze mich mal wieder hin vor den computer, starte das webseitenanzeigeprogramm meines vertrauens und melde mich an. bevor ich zum eingabefeld eilen kann, bemerke ich eine zahl, welche man in buchstaben auf deutsch als einhundertneunundneunzig kennt.

das ist ja allerhand, denke ich, als nächstes folgt dann wohl die zweihundert, der nächste artikel, wie es die wortpresse nennt, ist der zweihundertste. an sich ist das keine besondere zahl, denke ich, sie sticht lediglich durch ihre zwei nullen hervor. zweihundert artikel ist auch nicht so viel, wenn man den zeitraum bedenkt: knapp 3 1/2 jahre, exakt 1232 tage bis jetzt und ungefähr 2000 besucher mehr in dieser zeit, wenn die statistik nicht lügt. 200 mal der gedanke: wie nah gehe ich an die realität an?
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4

könig midas, man erinnere sich, war ein mann, der aufgrund seiner besonderen begabung fast einsam verdurstet oder verhungert wäre: alles was er berührte, verwandelte sich in gold. da ist es doch besser, es einfach mit den gebrüdern grimm zu gehen, und sich stattdessen einen goldesel vorzustellen, dessen fäkalien gülden sind. midas, jedenfalls, so fahren die chronisten fort, musste später mit eselsohren leben.

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die welt ist leider nicht so einfach, nicht alles, was man fertigstellt, gewissermaßen also ausscheißt, wandelt sich zu gold. das gegenteil ist der fall: vieles ist und bleibt scheiße. da hilft dann auch nicht das gebetsmühlenhaft wiederholte konzept des optimierens, aus scheiße wird kein gold. überhaupt, dieses ewige optimieren, welches für den durchschnittlichen volkswirtschaftler darin zu liegen scheint, ein wenig mit differentialrechnung unfug zu treiben; optimieren, als ob man jeweils ein wirkliches optimum erreichen würde, nein, man kann wohl froh sein, wenn eine inkrementelle verbesserung dabei herausspringt und eben nicht, was auch schon mal vorkommen soll, eine verschlechterung, da man leider irgendwelche variablen vergessen hat. nicht, dass ich platons republik vorziehen würde, aber diese ewige lächerlichkeit des “wir haben das jetzt optimiert” oder, noch besser, des “wir haben das jetzt ein bisschen optimiert” ist wahrlich eine form der fortgeschrittenen sprachvergewaltigung.
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